Bergleute bei der Veranstaltung zum Ende des Bergbaus  (Foto: SR)

Zeitenwende an der Saar

  30.06.2012 | 17:11 Uhr

Mit dem Abschied vom Kohlebergbau geht im Saarland eine Ära zu Ende. Die Redner beim "Tag des Abschieds" sprachen von einer "Zeitenwende" für das kleinste deutsche Flächenland und verwiesen darauf, dass das Saarland ohne den Bergbau nicht existieren würde

Mit einem großen Festakt am Bergwerk Ensdorf ist der Bergbau im Saarland verabschiedet worden. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bezeichnete das Ende als Zeitenwende und Zäsur. Ohne den Bergbau wäre das Saarland nicht denkbar gewesen, betonte die Regierungschefin. In ihrer Rede charakterisierte sie den 30. Juni als einen "Tag voller Gefühle". Bei denjenigen, die durch das Bergbauende in ihrer Lebensplanung berührt sind, sei es auch ein Tag der Wut. Es herrschten aber auch Ungläubigkeit und Verunsicherung.

zum Video: Ein letztes Glück auf! Abschied von der Kohle Teil 1 [Video, 30.06.2012, Länge 30:00 Min.]

Für Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzenden der Betreibergesellschaft RAG, geht "eine bedeutende Epoche" zu Ende. Der Bergbau verabschiede sich in einer Region, deren Geschichte und wirtschaftliches Wohl aufs Engste mit Kohle und Stahl verbunden gewesen sei.

Er fügte hinzu, dass der Bergbau zu seinem Ende auch wieder eine wohlwollende mediale und politische Unterstützung verspühre. In den Zeiten der Erschütterungen hätten die Bergleute diese Unterstützung vermisst. Dies sei noch nicht ganz verwunden. Es sei aber gut, dass das Ende des Bergbaus im Saarland dennoch versöhnlich und würdevoll begangen werden könne und angemessen in die Geschichte eingehe.

Erinnerungskultur aufbauen

Der Leiter des Bergwerks Saar, Friedrich Breinig, hat dazu aufgerufen, eine nachhaltige Erinnerungskultur entstehen zu lassen. Es gelte, dadurch die enormen Leistungen des Bergwerks ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, um dadurch nach der Trauer in den Menschen Stolz und Selbstbewusstsein entstehen zu lassen.

SPD-Landeschef und Wirtschaftsminister Heiko Maas verwies darauf, dass das Erbe des Bergbaus "mit ganzem Herzen" bewahrt werde. Der Bergbau habe das Leben des Landes und seiner Menschen umfassend beeinflusst. Er habe neue ökonomische Verhältnisse geschaffen, die Landschaft verändert und die Menschen geprägt. Er könne als "Wurzel der saarländischen Gesamtkultur" bezeichnet werden. Die Fördertürme seien "Leuchttürme unserer Geschichte".

zum Video: Ein letztes Glück auf! Abschied von der Kohle Teil 2 [Video, 30.06.2012, Länge 45:05 min.]

Gewerkschaften und Linke halten Ausstieg für Fehler

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Oskar Lafontaine, hatte bereits im Vorfeld den Ausstieg aus dem Bergbau als "übereilt" und einen "großen Fehler" bezeichnet. Die jahrhundertealte Bergbautradition ende, ohne dass es ein schlüssiges Konzept gebe, wie die heimische Kohle durch andere Energieträger ersetzt werden solle. Das Industrie- und Energieland Saarland gerate damit "ernstlich in Gefahr".

Ähnlich sieht das auch die Gewerkschaft Verdi Sie hat anlässlich der Beendigung des Bergbaus im Saarland fünf Thesen veröffentlich, in denen sie u.a. ihre Solidarität mit den Bergleuten zum Ausdruck bringt. Außerdem heißt es darin, dass Verdi die Schließung der Saar-Bergwerke nie akzeptiert hat. Der Verlust der Wertschöpfung werde sich erst in den kommenden Jahren richtig bemerkbar machen. Vor dem Hintergrund der steigenden Rohstoffpreise sei eine "umweltschonende Reaktivierung" der Kohle nicht auszuschließen. In anderen Regionen der Welt werde die Kohle sehr geschätzt.

Mettenschicht - zum Video: Ein letztes Glück auf! Abschied von der Kohle Teil 3 [Video, 30.06.2012, 53:30 Min.]

Kein Grund zum Feiern

Auch die Gewerkschaft IGBCE sieht im Bergbauende an der Saar kein Grund zum Feiern. Sie hält den bis 2018 geplanten Ausstieg Deutschlands aus der Steinkohleförderung weiter für falsch. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis sagte beim Festakt in Ensdorf, die Gewerkschaft habe sich dennoch entschieden, diesen Weg
mitzugestalten, weil eine Verweigerungshaltung zur Einflusslosigkeit geführt hätte. Vassiliadis hob es als großen Erfolg hervor, dass der Ausstieg ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufe. Die Bergleute, die nach NRW wechselten, hätten große Flexibilität gezeigt. Knapp 5000 Arbeitnehmer sind vom Ende des
Steinkohlebergbaus an der Saar betroffen.
(red/SAARTEXT/dpa)


Finaler Höhepunkt des Festakttages war um 20.15 Uhr ein Glockengeläut in Ensdorf und in den meisten saarländischen Gemeinden. Die IKS-Industriekultur Saar hatte alle Saarländer dazu aufgerufen, diesen historischen Moment in ihrer Gemeinde mit ihrem Handy aufzunehmen.

Die so entstandenen Videos oder Audios von dem Glockengeläut sollen in der Ausstellung "Das Erbe" ab dem 30. November im Bergwerk Reden dauerhaft zu sehen sein.

Senden Sie Ihre Aufnahme mit der Angabe des Ortes und dem Namen der Kirche einfach aninfo@das-erbe-saarland.de


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