Gesammelte Kassenzettel (Foto: picture alliance/Frank May)

Kassenbonpflicht bringt viel Frust und noch mehr Papier

Matthias Braun   18.01.2020 | 11:29 Uhr

Seit dem 1. Januar 2020 müssen Verkäufer für jeden Verkauf einen Beleg ausstellen – auch wenn es nur ein einzelnes Brötchen ist. Besonders die Bäcker schütteln darüber den Kopf, denn sie sind es, die mit genervten Kunden diskutieren und den Papiermüll entsorgen müssen.

„Einmal Ihr Wechselgeld, und einmal Ihr Kassenbon.“

„Wieso muss man da jetzt einen Kassenzettel nehmen?“

„Weil das jetzt ein neues Gesetz ist.“

„Dummer Quatsch.“

Bäckerei L. Schmitt, Saarbrücken-Bübingen, Dienstagnachmittag. Dieser Dialog an der Brottheke gibt schon viel Aufschluss darüber, was Kunden und Verkäufer über die neu eingeführte Bonpflicht denken. Vor der Tür steht ein eigener Mülleimer zum Entsorgen der ungeliebten Bons – und er quillt über.  „Sie wollen nicht wissen, wie oft ich den schon geleert hab“, sagt Verkäuferin Stefanie Marx. „99 Prozent der Kunden wollen den Bon nicht, manche werden sogar richtig sauer“. Die Bilanz nach zwei Wochen Bonpflicht: „Katastrophal“.

Viele Kunden sehen das ähnlich. Eine Dame hält es für „absolut unnötig“, dass für jeden Verkauf nun ein Bon ausgestellt werden muss, eine andere erinnert an den Umweltschutz, schließlich brauche man mehr Papier, wofür wieder mehr Bäume gefällt werden müssten.

Umweltaspekt spielt große Rolle

„Wir bringen unseren Kindern bei, dass sie darauf achten sollen, ihren Müll wegzuräumen, es gibt Fridays for Future, wir reden über Klimaschutz und jetzt brauch ich für jedes Brötchen einen Kassenbon. Das ist Schwachsinn“, sagt Stefanie Marx. Über die Möglichkeit, den Kunden ihre Belege elektronisch per E-Mail oder QR-Code zur Verfügung zu stellen, schüttelt sie den Kopf. „Dreiviertel unserer Kunden sind ältere Menschen, die benutzen kein Handy und keinen Computer.“

Finanzbehörden erhoffen sich mehr Sicherheit

Bereits 2016 wurde das Gesetz von der Bundesregierung beschlossen, um Steuerbetrug zu bekämpfen. Zum Hintergrund sagt das Bundesfinanzministerium, auf diese Weise könne „beispielsweise anhand eines Abgleichs des Bons mit den Aufzeichnungen der Kassensoftware eine Manipulation der Kasse festgestellt werden.“ Bis zum ersten Januar 2020 hatten Unternehmer Zeit, sich auch technisch darauf einzustellen. Wer der Bonpflicht jetzt nicht nachkommt, muss bei Kontrollen mit Bußgeldern rechnen.

Das sorgt für Verunsicherung bei Stefanie Marx. „Ich brauch doch nur mal in der Hektik zu vergessen, dem Kunden seinen Bon zu geben. Dann steht ein Kontrolleur vor mir und dann?“ Sie hofft, dass die Politik das Gesetz noch einmal nachbessert. Momentan sieht es allerdings erstmal danach aus, als müsste sie den Eimer mit den weggeworfenen Zetteln weiterhin regelmäßig leeren.

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