Der Baumwipfelpfad an der Saarschleife bei Mettlach. (Foto: Alexander M. Groß/SR)

"Sieht aus wie eine Parkhauszufahrt"

Rebecca Kaiser   21.07.2016 | 10:04 Uhr

Kurz vor der Eröffnung des Baumwipfelpfades an der Cloef wird Kritik laut. Viele Bürger stören sich an dem Aussichtsturm, der in ihren Augen das Landschaftsbild verschandelt. Aber hatten diese vorher keine Möglichkeit sich über das Projekt zu beschweren?

Auf der Facebookseite von SR.de haben viele Menschen ihrem Ärger um den 42 Meter hohen Aussichtsturm des Baumwipfelpfads Luft gemacht: "Sieht aus wie die Zufahrt zu einem Parkhaus. ", "Finde es passt nicht in die schöne Natur. Warum macht der Mensch alles kaputt?" oder "Unfassbar, dass ein solches Panorama durch sowas zerstört wird." Dabei stehen diese drei Kommentare nur beispielhaft für die fast 500, meist negativen Aussagen, zu dem neuen Aussichtsturm an der Cloef.

Kritik der Bürger nicht berücksichtigt?

Da stellt sich die Frage: Wurde die Kritik der vielen Bürger bei der Planung nicht berücksichtig? Grundsätzlich bestand für die Bürger die Möglichkeit ihre Kritik zu äußern. Denn im Vorfeld des Baus waren die Baupläne für einen Monat offengelegt worden. Jeder der wollte, konnte im Bauamt die Pläne einsehen und gegebenenfalls Einwände gegenüber dem Projekt anmelden.

Während dieser Zeit gab es allerdings nur wenige Kritiker. Nach Angaben des Bauamts waren zwar einige Besucher da. Die genaue Anzahl der Personen konnte das Bauamt nicht angeben. Denn wer sich Baupläne anschaut, wird nicht dokumentiert. Im Vergleich zu sonstigen Bauprojekten waren aber relativ viele Bürger an den Plänen interessiert. Trotzdem haben nach Angaben von Stephan Langenfeld, Gemeindeoberinspektor des Bauamts, nur zwei davon einen Einwand bekundet.

Nur zwei Einwände von Bürgern

Bei diesen Einwänden ging es aber nicht, wie eventuell anhand der derzeitigen Kritik zu erwarten, um das Landschaftsbild. Stattdessen befürchteten die Kritiker mögliche negative Auswirkungen durch die Zunahme des Besucherstroms. Beide Einwände wurden vom Gemeinderat in einem Abwägungsverfahren diskutiert. Diese lieferten nach Angaben des Bauamts aber "keine Ansatzpunkte für eine Änderung der Bauleitungen ". Daher wurden sie bei der Planung nicht weiter berücksichtigt. Eine Bürgerinitiative gegen das Projekt Baumwipfelpfad hatte es nicht gegeben.

Aber auch wenn es im Vorhinein keine großen Einwände gab, ist der Anblick des Aussichtsturms, wie es scheint, vielen Menschen ein Dorn im Auge. Offenbar trifft der Bau die Bewohner der Gemeinde Mettlach mitten in das Saarländer-Herz. Kein Wunder, ist doch die Cloef eines der Wahrzeichen des Saarlandes - das regt die Emotionen im kleinen Bundesland. 

Hintergrund

Im Gemeinde- und im Ortsrat wurde der Antrag zum Bau des Baumwipfelpfads Ende September 2015 mit breiter Zustimmung angenommen, so Bernhard Schneider, erster Beigeordneter des Gemeinderats. Einzig die Freien Wähler stimmten dagegen. Das Land hat aber nach Angaben des Gemeinderats dem Bau schnell zugestimmt und es wurde zeitnah eine naturschutzrechtliche Genehmigung erteilt. Weitere Befürworter waren die Naturschutzbehörde und die Tourismuszentrale. Gemeinde und Tourismuszentrale erwarten sich mit dem Baumwipfelpfad rund 200.000 zusätzliche Besucher pro Jahr.

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