Ein Richtkranz weht auf dem Dachstuhl eines neu errichteten Einfamiliernhauses. (Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Bau von Einfamilienhäusern deutlich teurer

  09.08.2020 | 08:50 Uhr

Die Baukosten für Einfamilienhäuser im Saarland sind im ersten Halbjahr 2020 deutlich gestiegen. Die Bauherren kalkulierten im Schnitt mit 12,4 Prozent mehr Kosten als im Vorjahreszeitraum.

Durchschnittlich 333.100 Euro planten die Bauherren von Einfamilienhäusern beim Antrag auf Baugenehmigung ein, teilte das Statistische Amt des Saarlandes mit. Bei diesen Baukosten sind die Grundstückspreise nicht eingerechnet.

Der starke Anstieg könne zwar prinzipiell durch eine Häufung besonders kostspieliger Einzelprojekte zustande kommen, erklärte das Amt. Schließlich handele es sich um einen Durchschnittswert. Der Trend aber hält seit Jahren an: Der Bau eines Einfamilienhauses wird immer teurer. Vor zehn Jahren lagen die veranschlagten Kosten noch bei durchschnittlich 234.899 Euro. Der aktuelle Wert bedeutet demgegenüber eine Steigerung von 41,8 Prozent.

"Überbordende hoheitliche Bestimmungen"

Der Verband der saarländischen Bauwirtschaft AGV Bau Saar sieht den Grund für die Preissteigerung vorwiegend in den gestiegenen Kosten für Baumaterialien. So hätten sich etwa die Preise für Betonstahl in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Auch müssten immer mehr staatliche Vorgaben beim Bau beachtet werden, der Verband spricht von "überbordenden hoheitlichen Bestimmungen". Aktuell gebe es in Bereichen wie Brandschutz, Energieeinsparung und Normen 20.000 Regelungen, die beachtet werden müssten. Ihre Zahl habe sich in den vergangenen 30 Jahren vervierfacht.

"Normalisierung der Preise"

Laut dem Verband liegt die Preisentwicklung seit Beginn der Baukrise 1995 allerdings weiterhin unter den Verbraucherpreisen. "Nachdem die Baupreise sich in den letzten Jahrzehnten an der Untergrenze bewegt haben, setzt eine Normalisierung der Preise ein", heißt es in einer Stellungnahme. "Die Betriebe sind endlich in der Lage, Risiken des Baugeschäftes angemessen zu bepreisen und ihre schwache Eigenkapitalbasis zu stärken, was sich letztendlich auch für den Auftraggeber positiv auswirkt - Stichwort: geringeres Insolvenzrisiko."

Zahl der Genehmigungen stabil

Die höheren Kosten scheinen die Bauherren jedenfalls nicht abzuschrecken. Laut Statistischem Amt entsprach die Zahl der genehmigten Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern dem Vorjahresniveau.

Auch der Bauverband registriert keine Rückgänge: "Aufgrund der anhaltenden Finanzlage (niedrige Zinsen, fehlende anderweitige Anlagemöglichkeiten) konnten wir bislang keine Auswirkungen auf das Bauverhalten feststellen. Inwiefern sich jedoch die aktuelle Corona-Pandemie auf das Baugeschehen 2021 auswirkt, ist aktuell noch nicht absehbar."

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