Ein Mädchen sitzt in einem Schwimmring und planscht im Wasser. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

Welche Regeln Badegäste kennen müssen

Martina Kind   10.07.2022 | 15:33 Uhr

Ein Ausflug ins Freibad oder an den See gehört für die meisten Saarländerinnen und Saarländer zum Sommer dazu. Was viele beim Badevergnügen vergessen: Der Spaß im Wasser birgt auch Risiken. Auf einige Dinge gilt es also zu achten.

Im Saarland soll es in der kommenden Woche mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke wieder so richtig heiß werden. Abkühlung erhoffen sich die meisten da im Wasser, ob im Freibad oder See. Der Sprung ins kühle Nass mag zwar verlockend sein, wenn die Sonne auf der Haut brennt. Von ihm ist aber ganz besonders abzuraten, mahnt Sophie Holderbaum, Vizepräsidentin des DLRG-Landesverbandes Saar.

"Das kann zu Herz-Kreislauf-Beschwerden führen, im schlimmsten Fall zum Herzstillstand." Wer lange der Sonne ausgesetzt war, sollte sich, bevor er sich ins Wasser stürzt, also stattdessen erst an die Kälte gewöhnen. Dafür genügt es, sich kalt abzuduschen.

Es ist nur eine von vielen Regeln, die es beim Baden zu beachten gilt – und die eigentlich allgemein bekannt sein sollte, doch trotzdem Jahr für Jahr aufs Neue wiederholt werden muss.

Leichtsinn und Übermut

"Viele Menschen neigen zu Leichtsinn, Übermut und Selbstüberschätzung, was ihre Schwimmfähigkeit betrifft", erklärt Holderbaum. So kommt es auch im Saarland immer wieder zu Badeunfällen und -unglücken, zum Teil mit dramatischen Folgen: Seit 2012 sind laut der DLRG 32 Menschen hierzulande ertrunken. Deutschlandweit waren es im vergangenen Jahr mindestens 299, die meisten von ihnen starben in unbeaufsichtigten Gewässern.

Vom Baden in Weihern, Bächen oder der Saar rät der Landesverband der DLRG denn auch grundsätzlich ab. "Unbewachte und vor allem fließende Gewässer können schnell lebensgefährlich werden." Selbst für erfahrene Schwimmerinnen und Schwimmer seien die starken Strömungen und Strudel in Flüssen eine Herausforderung. Aber auch Seen bergen viele Gefahren: Steil abfallende Ufer, Wasserpflanzen oder ein schlammiger Boden können Badende schnell in Bedrängnis bringen.

Im Saarland kommen damit nur die vielen Freibäder oder die bewachten Strandbäder am Losheimer Stausee und Bostalsee für einen sicheren Badeausflug infrage.

Video [aktueller bericht, 08.07.2022, Länge: 3:04 Min.]
Unmut wegen Badeverbot am Losheimer Stausee

Rettungseinsätze im Saarland

Wie oft die DLRG Saar in Not geratene Menschen aus dem Wasser retten muss, hänge auch davon ab, wie heiß der Sommer ist. Im Jahr 2021 gab es sechs Einsätze, davon zwei Rettungen aus Lebensgefahr. 2020 waren es mehr als doppelt so viele, acht der Geretteten schwebten in Lebensgefahr.

Dabei sei jedoch zu beachten, dass diese Zahlen nicht repräsentativ sind für die Gesamtzahl der Badeunfälle im Saarland. "Sie beinhalten nur unsere eigenen Einsätze am Bostalsee und am Stausee Losheim und nicht die der hauptamtlichen Mitarbeitenden dort, die täglich tätig sind", sagt Holderbaum. Man sei mit diesen aber in regelmäßigem Austausch und wisse, dass sie aktuell besonders viel zu tun hätten.

Die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler von der DLRG seien dagegen nur am Wochenende und in den Sommerferien als Rettungskräfte im Einsatz.

Baderegeln der DLRG

Um gar nicht erst in eine Gefahrensituation zu kommen, gibt es einige Regeln, an die sich Badegäste halten sollten. Das sind laut DLRG die wichtigsten:

  • Generell gilt, nur zum Baden zu gehen, wenn man sich wohl fühlt.
  • Niemals mit vollem oder ganz leerem Magen baden.
  • Abkühlen, bevor man ins Wasser steigt.
  • Nur bis zum Bauch ins Wasser gehen, wenn man schlecht oder gar nicht schwimmen kann.
  • Sich und seine Kräfte nicht überschätzen: Nie zu weit rausschwimmen, besonders nicht alleine.
  • Nur ins Wasser springen, wenn es tief genug ist und keine anderen Menschen dabei gefährdet werden.
  • Nicht dort baden, wo Schiffe und Boote fahren.
  • Auf andere Rücksicht nehmen, vor allem auf kleinere Kinder und ältere Menschen.
  • Andere nicht unter Wasser tunken.
  • Nie um Hilfe rufen, wenn man nicht wirklich in Gefahr ist – aber anderen helfen, wenn sie Hilfe brauchen.
  • Sich nicht auf aufblasbare Schwimmhilfen verlassen: Diese bieten Nichtschwimmerinnen und -schwimmern keine Sicherheit im Wasser und können bei aufkommenden Winden außerdem schnell auf den See abgetrieben werden.
  • Sofort das Wasser verlassen, wenn man friert.
  • Niemals bei Gewitter baden.

Ein wichtiger Aspekt ist laut Holderbaum noch zu ergänzen. "Wer Alkohol getrunken hat, sollte das Wasser unbedingt vermeiden." Denn Alkoholkonsum ist einer der Hauptgründe für Ertrinkungsunglücke: Alkohol vermindert die Reaktionsfähigkeit und kann schnell zu Muskelkrämpfen führen. Zudem führt er zu enthemmtem Verhalten, wodurch Gefahren schlechter eingeschätzt werden.

Holderbaum verweist auf einen Vorfall, der sich jüngst ereignet hat: Ende Juni drohte ein Mann, bei dem ein Alkoholwert von über zwei Promille festgestellt wurde, im Bostalsee zu ertrinken.

Richtiges Verhalten im Notfall

Was ist zu tun, wenn es tatsächlich zu Problemen im Wasser kommt, zum Beispiel wegen eines Krampfes? Vorbeugen lässt sich dieser kaum. "Gegen Krämpfe sind selbst Profis nicht gefeit." Auch, wenn es in der Theorie immer leicht gesagt ist: Das Wichtigste in einem solchen Fall sei es, Ruhe zu bewahren, versuchen, den Krampf durch eine Dehnung des Muskels zu lösen und auf sich aufmerksam zu machen.

Wenn möglich, sollten Ertrinkende zudem immer versuchen, sich flach mit dem Rücken ("toter Mann") oder Bauch ("Überlebenslage") aufs Wasser zu legen. "Dabei die Arme und Beine ausbreiten."

Bei der Position in Rückenlage sollte der Kopf bis zu den Ohren ins Wasser abtauchen und das Kinn leicht zur Brust gezogen werden. Arme und Beine unterstützen leicht den Auftrieb. Bei der Bauchlage sollte das Gesicht im Wasser liegen, der Mund nur zum Eintamen kurz über die Wasseroberfläche gehoben werden. Ausgeamtet wird dann wieder unter Wasser.

Nicht überstürzt helfen

Wer jemanden wahrnimmt, der Hilfe braucht, sollte selbstverständlich reagieren – aber nicht, indem er selbst voreilig ins Wasser springt. "Ertrinkende sind in Panik und versuchen, sich an alles zu klammern, das sie zu greifen bekommen", sagt Holderbaum. Oftmals drücken sie Menschen, die ihnen eigentlich helfen wollen, deshalb unter Wasser und bringen diese dabei selbst in Lebensgefahr.

"Ertrinkende können in ihrer Todesangst extreme Kräfte entwickeln", warnt Holderbaum. "Man muss die speziellen Griffe kennen, mit denen man ihnen helfen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen."

Sekundäres Ertrinken

Stattdessen sei es besser, Ertrinkenden einen Gegenstand, idealerweise einen Rettungsring, ins Wasser zu werfen, an den sie sich festklammern könnten – sofern diese noch bei Bewusstsein sind. In jedem Fall gilt: sofort die Rettungskräfte alarmieren und einen Notruf absetzen. "Betroffene müssen, sobald sie aus dem Wasser sind, immer notärztlich behandelt werden, damit gesundheitliche Komplikationen gegebenenfalls direkt behandelt werden können."

Denn neben dem sogenannten primären Ertrinken gibt es auch noch das sekundäre Ertrinken, bei dem zu viel Wasser in die Lunge gerät. Das kann in der Folge zu Lungenentzündungen oder einem Lungenödem führen. Es droht Erstickungsgefahr.

Wer achtsam ist und sich an alle Baderegeln hält, kann die Gefahr eines Unfalls im Wasser erheblich reduzieren – und den Rest des Sommers in vollen Zügen genießen.

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