Ein Absperrband der Polizei nahe der Fußgängerzone, in der ein Auto mehrere Menschen erfasst und nach ersten Erkenntnissen zwei von ihnen tödlich verletzt hat.  (Foto: dpa/Harald Tittel)

Fünf Tote und mehrere Verletzte in Trier

  02.12.2020 | 07:00 Uhr

In Trier ist ein 51-jähriger Autofahrer am Dienstagmittag durch die Fußgängerzone gerast. Fünf Menschen wurden dabei getötet, darunter ein Kleinkind. Weitere Personen wurden verletzt. Die Hintergründe sind noch unklar.

Der Fahrer sei gegen 13.45 Uhr aus Richtung der Basilika über den Hauptmarkt in Richtung Porta Nigra gefahren. Dabei habe er mehrere Passanten verletzt. Fünf Menschen seien an ihren Verletzungen gestorben, darunter ein Baby. Wie die Polizei in der Nacht zu Mittwoch mitteilte, war es nicht wie zunächst gemeldet neun Monate alt, sondern erst neuneinhalb Wochen. Auch sein 45 Jahre alter Vater kam ums Leben. Die weiteren Todesopfer sind eine 25-jährige, eine 52-jährige und eine 73 Jahre alte Frau. 14 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Video [aktueller bericht, 01.12.2020, Länge: 2:12 Min.]
Tote und Verletzte bei mutmaßlicher Amokfahrt in Trier

Vier Minuten nach Eingang des ersten Notrufs wurde der Fahrer gestoppt und festgenommen. Er leistete dabei erheblichen Widerstand.

Keine Hinweise auf politisches Motiv

Polizeisprecher Trier: "Zur Motivation des Mannes können wir noch nichts sagen"
Audio [SR 3, SR 3, 01.12.2020, Länge: 01:14 Min.]
Polizeisprecher Trier: "Zur Motivation des Mannes können wir noch nichts sagen"

Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde der 51-Jährige aus dem Kreis Trier-Saarburg noch am Dienstag vernommen. Sein Motiv war am Abend aber noch unklar. Der Mann sei bisher nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Wie der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Abend bei einer Pressekonferenz mitteilte, gebe es keine Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund. Ein Arzt habe den Mann begutachtet, es werde vermutlich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben.

Der 51-Jährige sei bei der Tat alkoholisiert gewesen, so Fritzen weiter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 51-Jährigen unter anderem wegen Mordes und schwerer Körperverletzung in mehreren Fällen. Im Laufe der weiteren Ermittlungen soll entschieden werden, ob Haftbefehl oder die Einweisung in einer psychiatrische Einrichtung beantragt werde. Der mutmaßliche Täter hat nach Angaben eines Polizeisprechers die vergangenen Tage nicht in seiner Wohnung, sondern vermutlich in dem Fahrzeug verbracht, dass er schon vor längerer Zeit von einem Bekannten geliehen hatte.

Innenstadt zur Spurensicherung abgeriegelt

SWR-Reporter: "Die Stadt ist im Ausnahmezustand"
Audio [SR 3, Interview: Janek Böffel, 01.12.2020, Länge: 03:51 Min.]
SWR-Reporter: "Die Stadt ist im Ausnahmezustand"

Weite Teile der Innenstadt waren am Dienstagmittag kurz nach dem Vorfall abgeriegelt. Die Polizei bat die Bevölkerung darum, den Bereich der Trierer Fußgängerzone während der mehrstündigen Spurensicherung zu meiden. Die Polizei rief zudem dazu auf, keine Videos und Bilder von dem Vorfall in den sozialen Netzwerken zu posten. Stattdessen können Hinweise auf einem eigens eingerichteten Portal direkt bei der Polizei eingereicht werden.

Große Bestürzung in der Region

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) äußerte sich entsetzt über den tödlichen Vorfall. "Mein tiefes Beileid gilt den Angehörigen der Toten. Allen Verletzten wünsche ich eine baldige Genesung", erklärte Dreyer. Ähnlich äußerte sich der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Eine solche Tat gehe "uns allen mitten ins Herz".

Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) sprach den Trierern sein Mitgefühl aus: "Die Nachricht aus Trier macht uns fassungslos. Wir sind in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Wir stehen an der Seite unserer Freunde in Trier." Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) bedankte sich für die Solidarität - vor allem für die Angebote aus Saarbrücken, Luxemburg und Metz, in den Kliniken bei Bedarf Verletzte aufzunehmen.

SWR.de-Live-Ticker
Tote und Verletzte bei Amokfahrt in Trierer Fußgängerzone
In Trier ist ein Autofahrer bei einer Amokfahrt in die Fußgängerzone gerast. Es gibt Tote und Verletzte. Aktuelle Informationen erhalten Sie hier.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 01.12.2020.

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