Kinder im Schwimmunterricht (Foto: dpa/Jens Büttner)

Kaum noch Kinder-Schwimmkurse wegen Corona

Anne Staut   02.08.2020 | 08:36 Uhr

Monatelang waren die Schwimmbäder im Saarland wegen der Corona-Pandemie geschlossen, Schwimmkurse fielen aus. Doch auch jetzt, wo viele Schwimmbäder wieder geöffnet sind, finden kaum Kurse statt. Schwimmschulen fürchten deshalb, dass ein ganzer Jahrgang an Kindern nicht schwimmen lernt – mit fatalen Folgen.

Kerstin Lilpob betreibt seit 22 Jahren die private Schwimmschule Sternenkinder. In guten Zeiten bietet sie in fünf Schwimmbädern in Saarbrücken 21 Kurse pro Woche mit jeweils acht bis zehn Teilnehmern an.

Seit Mitte März ist ihre Schwimmschule nun aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen – mit erheblichen Auswirkungen für die Kinder, die in diesem Jahr nicht schwimmen lernen können. Die gelernte Kinderkrankenschwester befürchtet Schlimmes: "Das wird unweigerlich zur Folge haben, dass die Ertrinkungsfälle ansteigen werden." Und auch sonst habe es für die Kinder negative Auswirkungen, wenn sie nicht zum Schwimmkurs gehen können. "Schwimmen lernen ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Kindes", sagt Lilpob.

Kein Vorrang für Schwimmkurse

Die Landeshauptstadt Saarbrücken räumt den Schwimmkursen derzeit keine besondere Priorität ein. Zwar sind die Schwimmbäder wieder geöffnet, private Schwimmschulen können dort aber trotzdem keine Kurse anbieten. Derzeit ist das Training lediglich Vereinen erlaubt. "Irgendwo mussten wir eine Grenze ziehen, allen konnten wir es nicht ermöglichen", sagt die Sprecherin der Saarbrücker Stadtwerke, Ulrike Reimann. Die Vereine haben den Vorzug bekommen, weil sie laut Reimann auch sportlich trainieren.

Freibad nur eingeschränkte Lösung

Auch wenn Schwimmkurse normalerweise in den Hallenbädern angeboten werden – wegen Corona würden manche Schwimmschulen auch gerne auf die Freibäder ausweichen. Doch das ist ihnen in Saarbrücken ebenfalls nicht erlaubt. Das sei aufgrund der begrenzten Besucherzahlen schwierig, sagt die Saarbrücker Bädergesellschaft. Dabei waren die Freibäder im Saarland bis Ende Juli nach eigenen Angaben keineswegs ausgelastet. Zudem finden Fitnesskurse wie Aqua Jogging und Aquata Tabata ebenfalls wieder in den Bädern statt.

Kerstin Lilpob würde ihre Kurse im Freibad anbieten, sofern sie dürfte, auch wenn das das Problem nicht gänzlich lösen würde. "Ich würde das nutzen mit den großen Kindern, die schon gewisse Grundvoraussetzungen haben im tiefen Wasser zu schwimmen und die nicht unbedingt warmes Wasser brauchen", so Lilpob.

Weniger Kurse möglich

Aber auch dort, wo Kurse angeboten werden können, läuft der Kursbetrieb nur eingeschränkt. Die Inhaberinnen der Sportschule Sport Total aus Kirkel, Anke Bauermeister und Tina Kaufmann, können inzwischen wieder Schwimmkurse im Freibad des Kombibads Koi in Homburg anbieten. Aber auch dort haben die anderen Badegäste Vorrang. Deshalb kann die Sportschule das Bad nur zu Randzeiten nutzen und dadurch deutlich weniger Kurse anbieten.

In der Folge können in diesem Jahr deutlich weniger Kinder schwimmen lernen. "Es gibt große Bedenken, dass es dieses Jahr einen Jahrgang an Kindern geben wird, die nicht schwimmen lernen konnten", sagte Kaufmann. Zudem hat es auch gravierende wirtschaftliche Folgen: "Wir laufen auf einer Schmalspur", so Kaufmann. "Diese letzten Monate haben uns betriebswirtschaftlich ein nicht mehr auffangbares Loch geschaffen."

Auch die Schwimmschule Sternenkinder leidet massiv unter den wirtschaftlichen Folgen. "Das ist für mich eine betriebliche Katastrophe", sagt Kerstin Lilpob. Es sei völlig unklar, wann sie wieder Kurse anbieten kann. "Es gibt derzeit keine Perspektive, aber ich hoffe auf einen baldigen Neustart".

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