Eine Hand voll Goldschmuck, im Hintergrund liegen mehrere Smartphones (Foto: Lukas Ratius)

Fotograf zeigt unbekannte Seiten des Saarlandes

Lisa König   12.02.2022 | 13:56 Uhr

Der saarländische Staatsapparat hat viele Orte, die für die meisten normalerweise unsichtbar bleiben. Bilder davon zeigt der Fotograf und Dokumentarfilmer Lukas Ratius in seiner Ausstellung „Der Apparat und andere Geschichten“. Sie startet am 18. Februar in der Stadtgalerie Saarbrücken.

Weil er kein Geld zum Verreisen hatte, suchte der saarländische Fotograf Lukas Ratius nach spannenden Motiven in seiner Heimatstadt. Da wäre der saarländische Staatsapparat sicher nicht für jeden und jede die erste Anlaufstelle.

Ratius hat das Thema trotzdem gereizt: „Ich finde es irgendwie spannend, Dinge sichtbar zu machen, zu denen man keine konkrete Vorstellung hat. Diesen abstrakten, aus meiner Perspektive damals kalten Apparat, irgendwie mit einer Bildsprache zu belegen, das fand ich spannend.“

Neue Fotoausstellung in der Saarbrücker Stadtgalerie
Audio [SR.de, Lisa König, 11.02.2022, Länge: 02:31 Min.]
Neue Fotoausstellung in der Saarbrücker Stadtgalerie

Zu Beginn seines Studiums an der Hochschule der Bildenden Künste Saar interessierte sich Lukas Ratius noch gar nicht so sehr für Fotografie. Nachdem er für sein Kommunikationsdesign-Studium einige Fotokurse belegt hatte, entdeckte er auf einer viermonatigen Reise durch den Iran und Indien seine Leidenschaft: „Da habe ich einfach jeden Tag fotografiert und gemerkt: Das ist es.“ Deshalb hat er sich nach dem Abschluss seines Studiums als Fotograf und Dokumentarfilmer selbstständig gemacht.

In der Ausstellung „Der Apparat und andere Geschichten“, die vom 18. Februar bis zum 15. Mai 2022 läuft, sind vor allem Fotos aus seinem Fotoband „Der Apparat“ zu sehen. Über zwei Jahre hinweg hat Ratius ganz unterschiedliche staatliche Institutionen im Saarland besucht und fotografiert. Darunter zum Beispiel den Verfassungsschutz, die Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft Saarbrücken oder eine forensische Psychiatrie.

Ziel: Möglichst großer Querschnitt

Einen Anspruch auf Vollständigkeit hatte er dabei nicht. Viel mehr, so Ratius, wollte er einen „möglichst großen Querschnitt“ bekommen und schauen, wo er überhaupt fotografieren dürfe.

Besonders überrascht hat ihn während der Arbeit, wie viele Möglichkeiten es für Bürgerinnen und Bürger gibt, hinter die Kulissen der Staatsarbeit zu blicken. „Mit einer Kamera hat man natürlich das Privileg, dass man noch mehr zu sehen bekommt. Aber auch privat ist meiner Meinung nach viel möglich und das fand ich ganz überraschend.“ Denn die Orte, die er fotografiert hat, sind normalerweise nicht für die Öffentlichkeit sichtbar.

Zusage vom Verfassungsschutz überraschend

Über 70 Termine mit verschiedenen Institutionen hat Ratius vereinbart. Die Organisation allein habe 80 Prozent der Arbeit für das Projekt ausgemacht, während das Fotografieren selbst nur die Spitze gewesen sei. Für seinen ersten Termin beim Landtag hatte ihm sein ehemaliger Professor extra ein Empfehlungsschreiben geschrieben – mit Erfolg. Von da an wurde die Kommunikation einfacher, weil er schon auf Erfahrungen mit anderen Institutionen verweisen konnte.

Besonders überrascht habe ihn die Zusage vom Verfassungsschutz. „Man muss aber auch sagen, dass sie prinzipiell nichts von mir zu befürchten hatten“, sagt Ratius. „Jeder Termin war quasi abgesprochen mit Presseleuten oder Mitarbeitenden, die vor Ort sind und natürlich auch kontrollieren können, was sie mir zeigen. Aber das war okay für mich. Ich wollte keine investigative Arbeit machen, sondern einfach die verschiedenen Stellen abbilden.“ Nur vom Ordnungsamt und von einer Müllverbrennungsanlage habe er eine Absage bekommen.

Aus seiner Sicht sei ein Fotoprojekt in dem Ausmaß in einem anderen Bundesland wahrscheinlich nicht möglich gewesen: „Dass ich als einzelner Fotograf an so eine Bandbreite von Institutionen herankomme, das ist auf jeden Fall etwas Saarland-typisches.“

Verschiedene Perspektiven auf das Saarland

Obwohl der Fotograf schon in vielen Ländern und Regionen fotografiert hat, haben alle Bilder in der Ausstellung einen Bezug zum Saarland. „Saarbrücken ist meine Heimatstadt“, erklärt Lukas Ratius. „Früher war das eher eine Hassliebe. Ich wohne seit 33 Jahren hier, da geht einem die Stadt manchmal auf die Nerven. Aber durch die Fotografie habe ich noch mal einen anderen Blick auf den Ort bekommen.“

Ausstellung "Der Apparat und andere Geschichten" von Lukas Ratius

Die Ausstellung zeigt in drei weiteren Projekten verschiedene Perspektiven auf die Region. In der Serie „Die Stadt der Städte“ zeigt Ratius mit spontanen Schnappschüssen seinen eigenen Blick auf die Stadt Saarbrücken und ihre Eigenheiten. In einer Videoarbeit kombiniert er zudem skizzenhaft Handyfotos der letzten zehn Jahre aus dem Großraum Saarbrücken. Und für das Projekt „Sprachgewalt“ hat Ratius Sprachfetzen gesammelt, die er auf der Straße aufschnappt hat.

Diese ganz unterschiedlichen Kunstformen fordern auch unterschiedliche Herangehensweisen von dem Fotografen. Lukas Ratius: „Beim Apparat musste zum Beispiel alles genau geplant sein, da hatte ich manchmal nur 15 Minuten Zeit. Wohingegen ich für die Stadt der Städte einfach mit der Kamera auf die Straße gehe und gucke, was passiert. Es gibt beides und beides macht mir Spaß.“


Die Ausstellung läuft vom 18. Februar bis zum 15. Mai 2022. In der Stadtgalerie Saarbrücken gilt die 2G-Plus-Regel.

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