Saatgut Haseler Mühle (Foto: Niklas Resch/SR)

Aus für regionale Saatgutproduktion

Niklas Resch/Linda Grotholt/Caroline Uhl   14.10.2021 | 07:21 Uhr

Der einzige Hersteller von regionalem Saatgut im Saarland, die Haseler Mühle, stellt die Produktion ein. Grund ist ein Minus von rund einer Million Euro bei dem Integrationsbetrieb. Für die Beschäftigten gibt es jetzt aber eine Perspektive.

Die Haseler Mühle bei Bexbach stellt bislang regionales Saatgut her, von Pflanzen, die besonders gut für heimische Bienen und andere Insekten sind: Etwa Wilder Majoran, Graukresse oder Sumpf-Schafgarbe. Auf Feldern in der Umgebung werden sie angebaut, geerntet und getrocknet. Anschließend werden daraus Samen gewonnen.

Video [aktueller bericht, 14.10.2021, Länge: 3:49 Min.]
Ende der Saatgutproduktion Haseler Mühle

Je nach Pflanze gibt es dafür zwischen 40 und 200 Euro pro Kilo Samen vom Großhändler, der Endkunde zahlt noch mal deutlich mehr. Doch mit der regionalen Saatgutproduktion ist bald Schluss. Aktuell arbeiten die elf Beschäftigten, davon acht mit Behinderung, noch daran, die Samen aus den bereits abgeernteten Pflanzen zu gewinnen. Neu gepflanzt wird nicht mehr.  

Minus von rund einer Million Euro

2014 wurde der Inklusionsbetrieb Haseler Mühle GmbH gegründet, als Tochtergesellschaft der Neuen Arbeit Saar (NAS), um zertifiziertes regionales Saatgut herzustellen. Doch der Geschäftsplan ging nicht auf. Wie die NAS-Geschäftsführung dem SR mitteilte, hat sich bis zum Jahresende 2020 ein Minus von rund einer Million Euro angehäuft.

Haseler Mühle muss regionale Saatgutproduktion einstellen
Audio [SR 3, Linda Grotholt, 14.10.2021, Länge: 03:03 Min.]
Haseler Mühle muss regionale Saatgutproduktion einstellen

Schuld daran seien auch schlechte Erntejahre gewesen, wegen Starkregen oder großer Dürre. Der Betrieb war demnach überschuldet, zunächst wurde eine Liquidation beschlossen, den Mitarbeitern wurde gekündigt.

Rückzahlung von Fördergeldern drohte

Im Zuge des Prozesses stellte sich jedoch heraus: Bei einer Liquidation hätte die Muttergesellschaft, die Neue Arbeit Saar, Fördergelder zurückzahlen müssen. Die „Aktion Mensch“ und das Integrationsamt des Saarlandes hatten den Betrieb demnach mit insgesamt rund 400.000 Euro gefördert – ausgelegt auf 25 Jahre und gekoppelt an die Inklusionsarbeitsplätze.

Bei einer kompletten Auflösung wären nach SR-Informationen gut 250.000 Euro Rückzahlung fällig gewesen. Nach Angaben der NAS-Geschäftsführung wurde daraufhin von den Gesellschaftern beschlossen, die Haseler Mühle als Abteilung in die Muttergesellschaft NAS aufzunehmen, rückwirkend zum 1. Januar 2021.

Kirche als Gesellschafter beschließt Saatgut-Aus

Die Gesellschafter der Neuen Arbeit Saar, das sind die beiden evangelischen Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West. Sie sind sozusagen die letzte Instanz bei Entscheidungen. Und so haben sie die Verschmelzung von Haseler Mühle und NAS beschlossen, und das Aus der regionalen Saatgut-Produktion gleich mit. Eine nicht unumstrittene Entscheidung: Der Vorsitzende des NAS-Verwaltungsrats, Jürgen Bender, legte aus Protest sein Amt nieder.

Saatgut Haseler Mühle (Foto: Niklas Resch/SR)
Saatgut in der Haseler Mühle

Aus Sicht des Superintendenten des Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer, war es eine schwere Entscheidung. Es habe aber keine andere Möglichkeit gegeben. „Es geht ja um den Erhalt der Schöpfung. Da habe ich Verständnis, dass Leute enttäuscht sind, dass wir das nicht mehr finanzieren können.“ Aber bei einer Fortführung hätte laut Weyer die Gefahr bestanden, dass auch die Muttergesellschaft, die Neue Arbeit Saar, gefährdet worden wäre.

Neue Perspektive für Mitarbeiter

Bisher haben die Beschäftigten nur Verträge bis zum Jahresende, für sie gibt es aber jetzt eine Perspektive. Nach Angaben der Neuen Arbeit Saar ist die Verschmelzung mit der Haseler Mühle mittlerweile notariell beglaubigt.

Sie müsse jetzt noch formell ins Handelsregister eingetragen werden. Dann bekommen die Beschäftigten neue Verträge, die mindestens ein Jahr gelten. Man sei auch in Verhandlungen, diese direkt unbefristet abzuschließen.

Neuausrichtung der Haseler Mühle

Auch für die Haseler Mühle geht es weiter, es wird nach neuen Geschäftsfeldern gesucht. So soll etwa das in den vergangenen Jahren erworbene Fachwissen genutzt werden, um Kommunen und Firmen bei der Begrünung von Flächen zu beraten. Außerdem sollen die Beschäftigten in Zukunft Naturschutzprojekte betreuen oder bei der Aufforstung helfen. Auch der Vertrieb von Tütchen aus regionalem Saatgut ist weiterhin geplant.

Es soll also mehrgleisig weitergehen, um die wirtschaftlichen Risiken besser zu verteilen. Aber regionales Saatgut aus dem Saarland in großem Stil wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.10.2021.

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