Ein Bild in einer Zeitschrift zeigt verschiedene Fastnachtsmasken in einer Box (Foto: SR Fernsehen)

Aufregung um Ensheimer Faschingsheft

mit Informationen von Eva Lippold   27.01.2020 | 19:36 Uhr

Ein Auszug aus dem Ensheimer Fastnachtsheft sorgt seit dem Wochenende für Aufregung auf Facebook. Im Dialekt wird dort die Flucht einer farbigen Frau übers Mittelmeer beschrieben. Eine junge Frau aus Eschringen sieht darin puren Rassismus.

In Ensheim ist es Tradition, sich an Fastnacht als "Aldi", also als alte Frau, zu verkleiden. Im "Ensemmer Fastnachtsheftchen" werden diese Geschichten dann mehr oder weniger lustig nacherzählt. Im aktuellen Heft, das für Aufregung sorgt, geht es um jemanden, der als schwarze Frau verkleidet war. Der Autor erzählt die fiktive Geschichte dieser schwarzen Frau nach, nämlich, wie sie mit ihrem "Bobbelche" im "Pedallo" übers Meer gekommen ist. Wie sie trotz zahlreicher Krämpfe im Bein Europa und dann per Anhalter schließlich Ensheim erreicht hat, und wie sie dort mit anderen "Ensheimer Aldi-Fastnacht" gefeiert hat.

Video [aktueller bericht, 27.01.2020, Länge: 2:41 Min.]
Fastnachtsheftchen der Gemeinde Ensheim sorgt für Empörung

Die Art, wie die Flucht Tausender Menschen übers Mittelmeer in dem Stück angerissen wird, hat bei einer Anwohnerin für Empörung gesorgt. Sie postete ein Bild des Artikels auf ihrer Facebook-Seite. "Der Abschnitt über die Flucht übers Mittelmeer war an Geschmacklosigkeit und Zynismus nicht zu überbieten", schreibt sie dort. In den Kommentaren erfährt die Frau große Zustimmung. Angesichts von Tausenden Toten im Mittelmeer fanden das viele offenbar ebenfalls nicht lustig.

Autor beteuert, nicht rassistisch zu sein

Verantwortlich für den Druck ist der Fastnachtsverein Ensheimer Aldi e.V. Der Autor des Textes, Robert Selzer, rechtfertigt sich nun im Gespräch mit dem SR. Er sagt, er habe damit niemanden verletzen wollen. "Also mir liegt es fern, irgendwas Rassistisches rauszuhauen. Das ist überhaupt nicht meine Art", sagt Selzer. Er sei froh für jeden, der die Flucht über das Mittelmeer geschafft habe, seine Familie engagiere sich selbst für die Integration von Flüchtlingen. "Also wir sind niemals braun angehaucht, wenn das so rübergekommen ist, dann tut es mir leid."

Über dieses Thema hat auch die Region am Nachmittag auf SR 3 Saarlandwelle vom 27.01.2020 berichtet.

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