Auf einem Sammelplatz, wo asbestbelasteter Schutt lagert, warnt ein Schild «Asbestfasern!». (Foto: Bernd Wüstneck/ZB/dpa)

Weiterhin Todesfälle durch Asbest

Matthias Braun   17.01.2020 | 17:04 Uhr

2018 sind im Saarland 19 Menschen gestorben, die in der Vergangenheit berufsbedingt mit Asbest zu tun hatten. Das hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung DGUV auf SR-Anfrage mitgeteilt. Gefahr gehe von Asbest hauptsächlich durch unsachgemäßen Umgang aus, sagt Pneumologe Professor Philipp Lepper von der Uni-Klinik Homburg.

Er galt wegen seiner hervorragenden baulichen Eigenschaften einmal als „Wunderfaser“: Asbest ist extrem stabil, äußerst wetterbeständig und dämmt ausgezeichnet. Großer Nachteil: Asbest kann extrem gesundheitsgefährdend sein. Obwohl bereits 1970 als krebserregend eingestuft, kam es erst 23 Jahre später zu einem vollständigen Verbot des Werkstoffs.

Nach wie vor sterben aber zahlreiche Menschen an sogenannten "asbest-assoziierten Erkrankungen". Nach Angaben der DGUV waren das 2018 bundesweit etwa 1600, in etwa 10.000 Fällen bestand ein entsprechender Verdacht. Im Saarland gab es im gleichen Zeitraum 19 Tote, und 133 Verdachtsfälle, 2014 lagen diese Zahlen noch bei 31 bzw. 168. Die Entwicklung ist also rückläufig.

Unklar, wo Asbest noch vorkommt

Durch das Verbot 1993 kommen entsprechend immer weniger Menschen mit dem Material in Berührung. Allerdings weiß man bis heute in vielen Fällen nicht genau, wo und welchem Ausmaß Asbest verbaut wurde. Besonders in älteren Gebäuden sollte deshalb niemals ohne Atemschutz gearbeitet werden.

Nach Angaben des Pneumologen Professor Philipp Lepper von der Uniklinik Homburg erkranken Betroffene, die Asbest ausgesetzt waren und sich nicht ausreichend geschützt haben, oft am sogenannten „Pleuramesotheliom“, einer Lungenkrebsart, die nur schlecht behandelbar ist.

Erkrankungen oft erst spät feststellbar

Die körpereigenen Reinigungsmechanismen könnten die Asbeststaub-Partikel nicht abtransportieren. Diese setzten sich in der Lungenhaut fest und verursachten dort Reizungen, die teilweise erst nach 15 oder 20 Jahren zu einer Krebserkrankung führen könnten, so Lepper.

Von Asbest, der sachgemäß verarbeitet und nicht beschädigt sei, gehe aber keine gesundheitliche Gefahr aus, auch nicht bei direkter Berührung.  Problematisch werde es, wenn sich Staub bilde, zum Beispiel beim Zersägen oder Zerbrechen.

Auch in den kommenden Jahren, so Lepper weiter, sei mit Erkrankungen und Todesfällen im Zusammenhang mit Asbest zu rechnen.  

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