Wartezimmer (Foto: picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)

Sollen Arztpraxen länger öffnen?

Axel Wagner / mit Informationen von dpa   20.12.2018 | 16:49 Uhr

Ärzte sollen ihre Praxen länger für Patienten öffnen, fordern die Krankenkassen. Die Kassenärztliche Vereinigung Saarland weist das als pure Polemik zurück.

Patienten sollten nach Ansicht der Kassen auch am frühen Abend und samstags mehr geöffnete Arztpraxen vorfinden. „Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte“, sagte Johann-Magnus von Stackelberg vom Spitzenverband der Kassen der dpa. Die viele Arbeit außerhalb der traditionellen Kernzeiten dürfe nicht an wenigen Ärzten hängenbleiben.

„Das kann man so sagen, das geht aber an der Realität völlig vorbei“, entgegnete Joachim Meiser von der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland, demgegenüber im SR. Die saarländischen Ärzte versorgten ihre Patienten auch abends und am Wochenende, nur eben nicht mit offenen Sprechstunden.

Interview: "Die pauschale Äußerung ist pure Polemik, die politische Ziele verfolgt"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 20.12.2018, Länge: 03:35 Min.]
Interview: "Die pauschale Äußerung ist pure Polemik, die politische Ziele verfolgt"

„Wir haben früher Sprechstunden bis 19 Uhr angeboten. Da kamen nur Patienten, die auch genauso gut tagsüber hätten kommen können, nämlich nicht Berufstätige. Dann haben wir die Abendsprechstunden wieder abgeschafft, weil wir schon morgens ab 7 Uhr Sprechstunden angeboten haben.“

Keine Patientenflut

Auch die Umfrage des Kassen-Verbands, wonach mittwochs- und freitagsnachmittags nur wenige Praxen geöffnet sind, wies Meiser zurück. „Wir haben im Saarland zwei Portalpraxen und elf Bereitschaftsdienste, die zu diesen Zeiten ärztliche Versorgung anbieten. Ich habe dort selbst schon Dienste gemacht und weiß, dass die Zahl der Patienten, die zu diesen Zeiten kommen, überschaubar ist.“ Von einer Patientenflut könne keine Rede sein

Pro Jahr würden in den Praxen 7,5 Millionen Patienten versorgt, dazu 300.000 im ärztlichen Bereitschaftsdienst. „Das zeigt doch, dass die Patienten die Versorgung suchen und auch finden“, so Meiser. Über 95 Prozent der Ärzte böten außerdem Sprechstunden weit über das Maß hinaus an.

Nachwuchsmangel eigentliches Problem

Also alles in Butter? Nein. Meiser verweist auf die steigende Zahl von Ärzten, die keine eigene Praxis mehr eröffnen, sondern in anderen Praxen in Teilzeit angestellt sind. „Der klassische Arzt, der von morgens bis abends zur Verfügung steht, wird künftig durchaus in die Minderzahl geraten.“

Ein weiteres Problem sei der hohe Altersdurchschnitt der niedergelassenen Ärzte im Saarland. „Wir haben inzwischen über 20 Prozent Ärzte, die über 65 sind und die noch voll an der Versorgung teilnehmen. Das macht uns große Sorgen. Wir müssen ärztlichen Nachwuchs gewinnen.“ Dafür brauche es attraktive Arbeitsbedingungen, so Meiser, keine Polemik aus der Bundespolitik.

Über dieses Thema hat auch die Region am Nachmittag auf SR 3 am 20.12.2018 berichtet.

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