Eine Justitia-Statue (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Arzt aus Wadgassen muss 280.000 Euro zahlen

Thomas Gerber   26.06.2020 | 10:08 Uhr

Über Jahre soll ein niedergelassener Mediziner seine Privatpatienten und damit deren Versicherungen beziehungsweise auch die Beihilfestellen der Beamten übers Ohr gehauen haben. 2018 war der 55-Jährige deswegen von der Staatsanwaltschaft wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt worden. Nun jedoch wurde das Verfahren gegen den Wadgasser Arzt eingestellt. Für den Mann wird es teuer.

Strafrechtlich kommt der Mediziner nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwar glimpflich davon, finanziell jedoch kommt ihn der mutmaßliche Schmuh teuer zu stehen. Das Landgericht hat das Verfahren dieser Tage vorläufig eingestellt – vermutlich auch aus prozessökonomischen Gründen –, bittet den 55-Jährigen aber kräftig zur Kasse.

Hälfte geht an Versicherungen

Satte 280.000 Euro muss er binnen sechs Monaten zahlen, erst dann wird das Verfahren endgültig ad acta gelegt. Die Hälfte der Summe soll an die gelackmeierten Versicherungen, die andere Hälfte an die Landeskasse (70.000 Euro) sowie an sechs gemeinnützige Einrichtungen wie den Verein für Bewährungshilfe (20.000 Euro) oder die Saarbrücker Tafel (10.000 Euro) gehen.

Abrechnungsbetrug: Arzt aus Wadgassen muss 280.000 Euro zahlen
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 26.06.2020, Länge: 01:05 Min.]
Abrechnungsbetrug: Arzt aus Wadgassen muss 280.000 Euro zahlen

In seiner Wadgasser Privatpraxis hat sich der gelernte Internist auf die ganzheitliche Medizin spezialisiert und der Schulmedizin weitgehend ade gesagt. Bei seinen Patienten misst er die körpereigenen Schwingungen oder verpasst ihnen Goldimplantate. In mehr als 5000 Fällen, so stand es in der Anklage, soll er diese zweifelhaften Leistungen umdeklariert und etwa als Blutentnahme oder Ultraschall abgerechnet haben.

Ahnungslose Patienten

Die gut 400 Patienten sollen die Rechnungen mit den frisierten Abrechnungsziffern bei den Kassen oder der Beihilfe ahnungslos eingereicht haben. Ob der 55-Jährige seine Praxis weiter betreiben kann, ist offen. Die Prüfung der Approbationsbehörde dauert an.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 26.06.2020 berichtet.

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