Leere Geldbörse (Foto: picture alliance/Ulrich Baumgarten)

Viele Erwerbstätige sind arm

  13.12.2018 | 14:02 Uhr

Unter den rund 14 Millionen Armen in Deutschland ist der Anteil der Erwerbstätigen hoch. Das geht aus dem diesjährigen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Laut Michael Hamm, Verbands-Geschäftsführer im Saarland, sind diese Menschen häufig auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen.

Von den 13,7 Millionen Menschen, die der Bericht zu den Armen zählt, sind drei Viertel der Erwachsenen entweder erwerbstätig, in Ausbildung oder beziehen Rente. Für Michael Hamm, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Saarland, ist das „spannende Erkenntnis“.

Interview: "Viele, die von Armut betroffen sind, kommen in der Statistik gar nicht vor"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 13.12.2018, Länge: 03:23 Min.]
Interview: "Viele, die von Armut betroffen sind, kommen in der Statistik gar nicht vor"

Der aktuelle Bericht habe den Fokus im Vergleich zu den Vorjahren etwas verändert und danach geschaut, wer überhaupt die armen Menschen seien. „Und da steht ein Großteil der Betroffenen tatsächlich in Lohn und Brot. Zum Beispiel die alleinerziehende Mutter mit einem Teilzeitjob oder Menschen, die Vollzeit arbeiten, deren Lohn aber nicht ausreicht, um sich oder ihre Familie über diese Armutsschwelle zu bekommen“, sagte Hamm im SR-Interview. Diese Menschen müssten sich dann einen Zweitjob suchen oder das Arbeitseinkommen durch Sozialleistungen aufgestockt bekommen.

Dunkelziffer noch wesentlich höher

Zudem sei die Zahl der als arm geltenden Menschen in Deutschland vermutlich noch wesentlich höher als 13,7 Millionen. Denn: „Obdachlose oder Menschen, die in Pflegeheimen wohnen, werden in den Berichten nicht mitgezählt“, so Hamm. Im Saarland ist die Armutsquote mit 16,8 Prozent laut Hamm im Übrigen höher als im Bundesdurchschnitt (15,8 Prozent).

Generell gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Das sind monatlich etwa für einen Single 1086 Euro, für ein kinderloses Paar 1629 Euro, für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2281 Euro und für eine Alleinerziehende mit zwei Kindern unter 14 Jahren 1738 Euro.

Über dieses Thema hat auch die SR3-Sendung "Region am Mittag" am 13.12.2018 berichet.

Artikel mit anderen teilen