Eine Kardiologin untersucht einen Patienten (Foto: picture alliance / Godong | Pascal Deloche)

Autoantikörper offenbar Ursache für Herzmuskelentzündung nach Impfung

  27.09.2022 | 08:34 Uhr

Ein Forscherteam mit Medizinern der Uniklinik Homburg ist der Frage auf der Spur, warum nach mRNA-Impfungen häufiger Herzmuskelentzündungen entstehen. Sie haben herausgefunden, dass bestimmte Autoantikörper dafür verantwortlich sein können. Dieselben Autoantikörper wurden auch bei Patienten mit PIMS oder mit schwerem Covid-19-Verlauf entdeckt.

In seltenen Fällen treten nach einer Coronaimpfung mit RNA-Impfstoffen Herzmuskelentzündungen auf. Vor allem männliche Jugendliche und jungen Männer sind davon betroffen, wie letztes Jahr zuerst in Israel Forscher herausgefunden haben. Auch im Saarland gab es solche Fälle.

Ein internationales Forscherteam verschiedener Universitäten und kardiologischer Kliniken in Deutschland und Israel ist nun bei der Suche nach der Ursache einen entscheidenen Schritt weitergekommen.

Autoantikörper tragen zu Entzündung bei

Wie das Uniklinikum Homburg mitteilt, ist es gelungen einen neuen Mechanismus bei der Entstehung von Herzmuskelentzündungen aufzudecken. Den Angaben zufolge können bestimmte Autoantikörper gegen körpereigene Entzündungsregulatoren zur Entstehung der Herzmuskelentzündungen beitragen. Autoantikörper werden vom Immunsystem gebildet, sie richten sich aber gegen den eigenen Körper.

Interessanterweise wurden die gleichen Antikörper von den Wissenschaftlern auch schon bei anderen Patienten gefunden: Nämlich Erwachsenen, die einen schweren Verlauf von Covid-19 hatten und bei Kindern, die das sogenannte Multisystemischen Entzündungssyndrom (auch bekannt als PIMS) hatten.

Autoantikörper gegen körpereigenen Entzündungshemmer

In der aktuellen Studie wurden Blutproben von Patientinnen und Patienten im Alter von 14 bis 79 Jahren analysiert. Insbesondere bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern konnten Autoantikörper gegen einen zentralen körpereigenen Entzündungshemmer namens "Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist" nachgewiesen werden. 

Interleukin-1 (IL-1) ist ein wichtiger Botenstoff, der bei Infekten an der Alarmierung und Mobilisierung des Immunsystems beteiligt ist – er bewirkt beispielsweise Fieber. Ist die IL-1-Ausschüttung allerdings zu hoch, können viele entzündliche Erkrankungen entstehen.

Natürlicher Gegenspieler ausgeschaltet

Eigentlich haben Interleukine natürliche Gegenspieler, die dafür sorgen sollten, dass Entzündungsreaktionen nicht überschießen. Genau so einer ist der "Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist".

Bei vielen Patienten mit Myokarditis hätten allerdings Autoantikörper dafür gesorgt, dass der so wichtige körpereigene Entzündungshemmer neutralisiert wurde, berichtet Dr. Lorenz Thurner, der eine Arbeitsgruppe am José-Carreras-Center der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg leitet.

Großes Interesse in Fachwelt

Die aktuellen Forschungen stießen nach UKS-Angaben bereits auf großes Interesse in der Fachwelt. Der Beitrag sei im renommierten Fachjournal New England Journal of Medicine publiziert worden.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja