Symbolbild zu psychischen Erkrankungen – eine Frau steh gebeugt vor einem kargen Baum bei grauem Himmel (Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Anstieg psychischer Erkrankungen im Saarland

Maximilian Friedrich   02.08.2021 | 06:52 Uhr

Im Saarland leiden immer mehr Menschen unter einer psychischen Erkrankung. Das zeigt eine Analyse der Krankenkasse IKK Südwest unter ihren Versicherten. Grund für den Anstieg seien nicht nur die Belastungen der Corona-Pandemie.

Panik, Schlafstörungen, Depressionen - im Saarland leiden offenbar immer mehr Menschen unter psychischen Erkrankungen. "Schon das ganze Jahr ist ein Anstieg zu erkennen, besonders aber im Monat Juni", betont IKK-Pressesprecher Mathias Gessner. So waren vom 7. Juni bis 4. Juli 266 Versicherte wegen psychischer Erkrankungen stationär in Behandlung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg von rund 46 Prozent.

Bis zu 60 Prozent mehr Erkrankte

Besonders viele Erkrankte gab es in den Kalenderwochen 25 und 26. In dieser Zeit verzeichnete die IKK Südwest Anstiege von mehr als 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Entwicklung zeigt sich vor allem bei den Krankschreibungen, so die IKK. Psychische Erkrankungen seien mittlerweile der zweithäufigste Grund für Fehltage.

Corona-Pandemie als Hauptgrund

Hauptgrund für den Anstieg sei die Corona-Pandemie. Nach Angaben der IKK Südwest haben die außergewöhnlichen Belastungen wie Existenzängste, mehr Stress am Arbeitsplatz, Einsamkeit und Isolation diesen Trend verstärkt.

Außerdem hätten viele Saarländerinnen und Saarländer den Gang zum Arzt vermieden. Dazu komme die teils schlechte Gesundheitsbildung in Teilen der Bevölkerung. "Das kann dazu führen, dass nicht genug für die psychische Gesundheit gemacht wird und die Probleme dann in einer Krise wie jetzt zum Vorschein kommen", betont Gessner.

Langfristiger Anstieg erwartet

Mit einem Rückgang der Zahlen ist in den kommenden Jahren offenbar nicht zur rechnen. "Die Psyche bleibt in den kommenden Jahren ein Dauerthema, auch für die Patientenversorgung“, sagt Prof. Dr. Jörg Loth, Vorstand der IKK Südwest.

Mehr Prävention notwendig

„Neben einer sorgfältigen Analyse der Belastungssituation der Betroffenen müssen deshalb Präventionsangebote künftig stärker ausgebaut werden“, betont Loth.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen müssten deshalb ein besseres Gesundheitsmanagement auf die Beine stellen. Es müsse den Betrieben und den Angestellten klar werden, welchen Wert die psychische Gesundheit der Mitarbeiter habe.

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