Eltern und Kinder in einer Bereitschaftspflegefamile an einem Kaffeetisch. (Foto: dpa)

Immer mehr Kinder in Pflegefamilien

Kai Forst   28.09.2019 | 09:09 Uhr

Im Saarland ist die Zahl der Pflegekinder in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das geht aus einer SR-Umfrage bei den Landkreisen hervor. Diese Entwicklung hat vor allem mit einem Umdenken bei den Jugendämtern zu tun. Der Bedarf an Pflegefamilien ist dadurch höher denn je.

Gestiegener Bedarf an Pflegefamilen im Saarland
Audio [SR 3, (c) SR, 28.09.2019, Länge: 00:45 Min.]
Gestiegener Bedarf an Pflegefamilen im Saarland

Besonders deutlich ist der Anstieg im Landkreis Merzig-Wadern. Dort sind aktuell 109 Kinder in Pflegefamilien untergebracht. 2014 waren es noch 69 – ein Anstieg um 57 Prozent. Auch im Regionalverband Saarbrücken (knapp 30 Prozent mehr), dem Landkreis Saarlouis (knapp 25 Prozent mehr) und Neunkirchen (15 Prozent mehr) verzeichnen die Jugendämter derzeit deutlich mehr Pflegekinder als noch fünf Jahre zuvor. Im Saarfpfalz-Kreis fällt der Anstieg etwas geringer aus. Dort leben aktuell (135) zehn Kinder mehr in Pflegefamilien als 2014. In St. Wendel ist die Zahl hingegen leicht rückläufig.

Umdenken bei den Jugendämtern

Dass diese Zahlen zum Teil deutlich angestiegen sind, hat vor allem mit einem Umdenken bei den Jugendämtern zu tun. „Inzwischen steuern wir das bewusst, dass Kinder unter sechs Jahren in Pflegefamilien vermittelt werden. Denn wir beobachten, dass diese Kleinen in den Heimen nicht gut zurechtkommen", sagte die Leiterin des Sozialen Dienstes beim Regionalverband, Beate Brandt. Im Gegensatz dazu stehe das Leben bei Pflegeeltern. Dort entwickelten sich die jüngeren Kinder besser.

Auch Alleinstehende und gleichgeschlechtliche Paare gesucht

Brandts Ziel: „Wir wollen alles tun, um zu verhindern, dass Kinder in Heime kommen.“ Offenbar mit Erfolg. Die Zahlen belegen das. Inzwischen leben im größten saarländischen Landkreis 412 Kinder bei Pflegeeltern – 92 mehr als 2014. Parallel dazu ist ein Rückgang bei den stationären Unterbringungen zu verzeichnen. Auch die Bürokratie und die Wartezeiten haben sich für Familien, die ein Kind aufnehmen wollen, deutlich reduziert. Und weil der Bedarf an Pflegefamilien stetig wächst, streckt der Regionalverband seine Fühler inzwischen auch nach alternativen Familienmodellen aus. „Wir werben schon seit rund zweieinhalb Jahren auch um Alleinstehende oder gleichgeschlechtliche Paare“, so Brandt.

Mangel an Bereitschaftspflegefamilien

Auch der Landkreis Merzig-Wadern sucht händeringend nach Pflegefamilien. „Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren deutlich um rund 35 Prozent gestiegen“, teilte eine Sprecherin mit. Sowohl Bereitschaftspflegefamilien, die Kinder in Krisensituationen auf begrenzte Zeit aufnehmen, als auch dauerhafte Lösungen würden gebraucht. Insbesondere der Mangel an Bereitschaftspflegefamilien stellt viele Landkreise vor Probleme. In Neunkirchen gibt es derzeit nach eigener Aussage gerade einmal ein Elternpaar, auf das das Jugendamt zurückgreifen kann.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 28.09.2019 berichtet.

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