Strafprozessordnung und Gerichtsakten (Foto: dpa)

Prozess im Mordfall Yeboah startet Mitte November

mit Informationen von Thomas Gerber   16.09.2022 | 10:40 Uhr

Der Weg für die juristische Aufarbeitung des Mordes an dem ghanaischen Asylbewerber Samuel Yeboah vor 30 Jahren in Saarlouis ist frei. Das Oberlandesgericht Koblenz hat die Anklage gegen den damaligen Neonazi Peter S. zugelassen. Dem 51-jährigen Saarlouiser wird ab Mitte November der Prozess gemacht.

Ab Mitte November muss sich der 51-jährige Peter S. vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Koblenz wegen Mordes, versuchten Mordes in 20 Fällen und Brandstiftung mit Todesfolge verantworten. Das OLG hat eine entsprechende Anklage der Generalbundesanwaltschaft zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet.

Vorwurf: Mord aus rassistischer Gesinnung

Nach einem Kneipenbesuch mit zwei anderen Neonazis soll Peter S. in der Nacht vom 18. auf den 19. September 1991 den verheerenden Brand gelegt haben. Im Treppenhaus der Asylbewerberunterkunft vergoss er laut Anklage Benzin – aufgrund der Kaminwirkung entwickelte sich eine Feuerwalze. Yeboah hatte keine Chance zu entkommen, starb einen grausamen Tod.

Der Generalbundesanwalt wirft Peter S. Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Der damals 20-Jährige habe aus seiner rassistischen Gesinnung heraus den Tod Yeboahs und der anderen 20 Bewohner des ehemaligen Hotels zumindest billigend in Kauf genommen.

"Eine Watsche für die Ermittler von damals"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadeghi / Thomas Gerber, 16.09.2022, Länge: 04:23 Min.]
"Eine Watsche für die Ermittler von damals"

Angeklagter blieb fast 30 Jahre unentdeckt

Fast 30 Jahre blieb der Angeklagte unentdeckt, bis Ende 2019 eine Bekannte von ihm in der Onlinewache des Landespolizeipräsidiums Anzeige gegen ihn erstattet hatte. Auf einem Grillfest soll S. ihr bereits 2007 von der Tat berichtet haben.

Der Prozess in Koblenz wird sich vermutlich über Monate hinziehen. Die Bundesanwaltschaft hat fast 50 Zeugen benannt – darunter zahlreiche Saarlouiser Neonazis. Dass Peter S. den Brandanschlag verübt hatte, sei in der Szene ein offenes Geheimnis gewesen.

Verfassungsbeschwerde gegen U-Haft

Peter S. war im April dieses Jahres festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Tat. Sein Anwalt hat nach SR-Informationen Verfassungsbeschwerde gegen die Haft eingelegt, nachdem diese zuletzt im Juli vom Bundesgerichtshof bestätigt wurde.

Mehr zum Thema

ARD radiofeature
Mordfall Yeboah
Samuel Yeboah stirbt 1991 bei einem Brandanschlag. 30 Jahre später wird ein Neonazi verhaftet, der Polizeichef entschuldigt sich. Wurde auch bei weiteren Brandanschläge unzureichend ermittelt, rechte Gewalt bewusst kleingeredet? Das ARD radiofeature in der Mediathek.

Über dieses Thema berichtete die SR 3 Rundschau am 16.09.2022.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja