Spielautomaten in einem Casino (Foto: pixabay/Bru-nO)

Polizistin soll Glücksspiel-Kontrollen durchgesteckt haben

Thomas Gerber / Onlinefassung: Axel Wagner   18.10.2022 | 06:30 Uhr

Nach der Großrazzia in mehreren Spielhallen und bei Aufstellern von Glücksspielautomaten im Juli vergangenen Jahres hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen eine Völklinger Polizeibeamtin erhoben. Sie soll über Monate ihrem damaligen Geliebten Kontrolltermine verraten haben. Auch der Aufsteller selbst ist angeklagt.

Einer bei der Polizeiinspektion Völklingen beschäftigten Kommissarin wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem Verletzung von Dienstgeheimnissen sowie Strafvereitelung im Amt vor.

Die 31-Jährige soll zwischen Februar und Juni 2021 in mehr als 20 Fällen ihrem damaligen Geliebten Informationen über bevorstehende Kontrollen in Spielhallen gegeben haben.

Manipulierte Automaten

In den Spielhallen sollen nicht zugelassene und offenbar teilweise zu Ungunsten der Spieler manipulierte Glücksspielautomaten betrieben worden sein. Gegen den damaligen Geliebten der Beschuldigten wurde ebenfalls Anklage erhoben. Ihm wird laut Staatsanwaltschaft „gewerbs- und bandenmäßige unerlaubte Veranstaltung von Glücksspielen“ in elf Fällen vorgeworfen.

Während sich die Beamtin demnächst vor dem Amtsgericht Saarbrücken verantworten muss, hat die Staatsanwaltschaft ihren damaligen Geliebten vor dem Landgericht angeklagt. Wann die Prozesse beginnen, steht noch nicht fest.

Polizistin räumt Vorwürfe ein

In einer ersten polizeilichen Vernehmung soll die Beschuldigte den Vorwurf des Geheimnisverrates weitgehend eingeräumt haben. Im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen waren nach SR-Informationen zahlreiche Telefone, aber auch Innenräume von Fahrzeugen überwacht worden.

Die 31-jährige Polizistin ist derzeit vom Dienst suspendiert. Sie muss mit ihrer Entlassung rechnen. Bei der Razzia im vergangenen Sommer waren rund 400 Polizeibeamte im Einsatz. Im Saarland gab es Durchsuchungen unter anderem in Großrosseln, Völklingen und Perl.

150 Automaten sichergestellt

Bei der Aktion im Juli 2021 waren fast 150 Glücksspielautomaten sichergestellt worden. Mehr als ein Drittel der Geräte wies Manipulationen auf. Die Software war so verändert worden, dass für die Spieler geringere Gewinnchancen bestanden. In dem Verfahren gibt es weitere Beschuldigte.

Zu dem Stand der Ermittlungen in diesen Verfahren wollte sich die Staatsanwaltschaft aus „verfahrenstaktischen Gründen“ zunächst nicht äußern.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 18.10.2022 berichtet.

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