Akten mit der Statue der römischen Göttin Justitia, dem Symbol für die Rechtsprechung. (Foto: picture alliance / dpa | Volker Hartmann)

Mordanklage im Fall Yeboah

  03.08.2022 | 17:13 Uhr

Mehr als 30 Jahre nach dem tödlichen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Saarlouis hat die Bundesanwaltschaft Mordanklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben. Gegen den Rechtsextremisten Peter S. bestehe ein hinreichender Tatverdacht.

Der bereits im April festgenommene Peter S. steht im Verdacht, den Flüchtling Samuel Yeboah ermordet zu haben. Die Bundesanwaltschaft hat nun vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Koblenz Anklage erhoben.

Brandstiftung in Asylbewerberunterkunft

In ihrer Anklageschrift geht die Bundesanwaltschaft davon aus, dass Peter S. am späten Abend des 18. September 1991 eine Gaststätte in Saarlouis aufgesucht hatte. Dort soll er mit weiteren Neonazis über die rassistisch motivierten Anschläge auf Unterkünfte für Ausländer in Hoyerswerda gesprochen haben.

In den frühen Morgenstunden des 19. Septembers soll S. dann in einem Wohnheim für Asybewerber in der Saarlouiser Straße Feuer gelegt haben. Dafür habe er Benzin im Treppenhaus des Erdgeschosses ausgegossen und entzündet, so die Anklageschrift.

Mord, versuchter Mord und Brandstiftung angeklagt

Durch den Brand erlitt Samuel Yeboah schwere Verletzungen, die schließlich zu seinem Tod führten. Zwei weitere Hausbewohner retteten sich durch Sprünge aus dem Fenster, weitere 18 konnten sich unverletzt in Sicherheit bringen.

Neben dem Mordvorwurf steht deshalb auch der Vorwurf des versuchten Mordes in 20 Fällen sowie Brandstiftung mit Todesfolge und versuchter Todesfolge im Raum.

Bundestagsabgeordnete fordert Untersuchungsausschuss

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner appellierte an die saarländische Politik, das Versagen der Polizei im Landtag aufzuarbeiten. "Die Polizei hatte Peter S. schon kurz nach der Tat auf dem Schirm, hat die Spuren aber nicht weiter verfolgt. Warum das so war, muss geklärt werden", sagte sie auf SR-Anfrage. Dieser Frage müsse ein Untersuchungsausschuss im saarländischen Landtag nachgehen.

"Solche Anschläge werden niemals alleine durchgeführt"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Martina Renner, 03.08.2022, Länge: 04:20 Min.]
"Solche Anschläge werden niemals alleine durchgeführt"

Nur ein Untersuchungsausschuss sei durch seine besonderen Rechte in der Lage, sich die damalige Rolle der Polizei und der saarländischen Politik anzuschauen, so Renner. "Dazu braucht es natürlich den politischen Willen. Denn in einem Untersuchungsausschuss müssten sich alle Mitglieder ohne Vorbehalte in die Materie einarbeiten, um den Fall aufzuklären." Selbst, wenn es die eigenen Partei betreffe, die damals Regierungsverantwortung hatte.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 03.08.2022 berichtet.

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