Eingang der SHG-Klinik in Völklingen (Foto: picture alliance/Dirk Guldner/dpa)

Krankenpfleger wegen Verdacht auf versuchten Mord angeklagt

mit Informationen von Thomas Gerber   15.01.2021 | 13:46 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat Anklage gegen einen 29-jährigen Krankenpfleger wegen des Verdachts des versuchten Mordes in fünf Fällen erhoben. Ihm wird vorgeworfen, an der SHG-Klinik Völklingen und der Universitätsklinik in Homburg Patienten nicht ärztlich verordnete Medikamente verabreicht zu haben. Dabei habe er den Tod der Patienten billigend in Kauf genommen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Krankenpfleger vor, Patienten Herz-Kreislauf-Medikamente verabreicht zu haben, die nicht ärztlich verordnet waren, um sie in einen reanimationspflichtigen Zustand zu versetzen. Dabei habe er den Tod der Patienten billigend in Kauf genommen. Die Staatsanwaltschaft vermutet dass der 29-Jährige Patienten absichtlich in einen reanimationspflichtigen Zustand versetzt hat, um sie später wiederbeleben zu können.

Die mutmaßlichen Taten ereigneten sich 2015 und 2016, vier davon in der Völklinger SHG-Klinik, eine in der Homburger Universitätsklinik. Bei den Patienten habe es sich um zwei Frauen im Alter von jeweils 77 Jahren sowie drei Männer im Alter von 31, 58 und 81 Jahren gehandelt.

Leichen exhumiert

In zwei Fällen haben die Opfer des Pflegers die Injektion der Blutdrucksenker und hochwirksamen Schlafmittel überlebt, aber auch in den anderen drei Fällen geht die Staatsanwaltschaft lediglich von versuchtem Mord aus. Um dem Angeklagten vollendeten Mord vorwerfen zu können, müsste eindeutig belegt sein, dass die Patienten an den verabreichten Medikamenten verstoben sind.

Zwar wurden ihre Leichname exhumiert und zumindest Spuren der Wirkstoffe nachgewiesen. Ob die aber den Tod tatsächlich verursacht haben, war nicht mehr eindeutig nachweisbar. Insgesamt wurden im Laufe der Ermittlungen 31 Patientenakten in Völklingen und Homburg analysiert, da viele der Verstorbenen eingeäschert worden waren, waren lediglich sieben Exhumierungen möglich. In zwei Fällen sind die Ermittlungen derzeit noch nicht abgeschlossen.

Wegen Betruges schon in Haft

Der Angeschuldigte hat sich zu den Tatvorwürfen nicht eingelassen. Aktuell verbüßt er eine dreijährige Haftstrafe wegen Betruges. Er hatte teure Uhren im Wert von 100.000 Euro im Internet bestellt und nicht bezahlt. Aktenkundig war er erstmals im Sommer 2016 geworden, als er Intensivpfleger in Homburg war. Damals war er nachts in Saarburg im Krankenhaus erschienen und hatte sich als Notarzt ausgegeben.

Den Beschäftigten der Notaufnahme kam das merkwürdig vor, sie alarmierten die Polizei. Im Betrugsverfahren vor dem Amtsgericht hatte die psychiatrische Gutachterin zwar eine narzisstische Persönlichkeit bescheinigt, Zweifel an seiner Schuldfähigkeit bestanden aber nicht.

Sein Verteidiger wollte sich auf SR-Anfrage nicht äußern. Mit Anklageerhebung wurde der Erlass eines Haftbefehls beantragt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 15.01.2021 berichtet.

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