Eine Justitia-Statue (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Prozessbeginn nach Attacke auf afrikanischen Studenten

Patrick Wiermer   02.11.2020 | 06:19 Uhr

Vor dem Saarbrücker Landgericht hat der Prozess wegen versuchten Mordes gegen einen 24-Jährigen begonnen. Er soll im Juni einen afrikanischen Studenten zunächst niedergeschlagen und dann versucht haben, ihn mit einem Messer zu töten – möglicherweise aus rassistischen Motiven. Der mutmaßliche Täter gestand am Montag die Tat zumindest in Teilen ein.

Die Tat ereignete sich am frühen Morgen des 6. Juni an der Bushaltestelle am Malstatter Markt. Laut Generalstaatsanwaltschaft soll der 24-Jährige den Studenten aus Gabun unvermittelt angegriffen haben. Zunächst schlug er dabei mit der Faust zu, später stach er mit einem Messer auf den Studenten ein, zielte offenbar auf Hals und Oberkörper. Der Gabuner konnte den Stichen allerdings ausweichen.

Video [aktueller bericht, 02.11.2020, Länge: 2:52 Min.]
Prozessauftakt wegen versuchten Mordes an afrikanischem Studenten

Psychische Folgen des Angriffs

Zum Prozessauftakt sagte der 26 Jahre alte Student, er sei bis heute in psychologischer Behandlung und habe Schlaf- und Konzentrationsprobleme. Der Angeklagte ließ über seinen Verteidiger erklären, er habe den Studenten tatsächlich ohne Vorwarnung und ohne Grund geschlagen. Das Messer habe er aber nur genommen, um ihn einzuschüchtern – nicht um ihn zu verletzen.

Unter Drogen zum Zeitpunkt der Tat

Prozessauftakt wegen versuchten Mordes
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 02.11.2020, Länge: 00:42 Min.]
Prozessauftakt wegen versuchten Mordes

Laut einem Drogentest stand der Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter unter dem Einfluss von Amphetaminen. Er berichtete vor Gericht von seiner Drogensucht. Die Richter müssen nun entscheiden, inwiefern die Drogen zu einem Kontrollverlust geführt haben.

Ebenso muss die Frage geklärt werden, ob der mutmaßliche Täter auch intellektuell in der Lage war, die Tat auszuführen. Denn der Angeklagte kann laut Zeugen selbst einfache Fragen nicht beantworten und konnte sich auch vor Gericht nur schwer an seinen Geburtsort erinnern.

Der Angeklagte war bereits zuvor unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Seit der Tat gegen den Studenten wurde er vom Staatsschutz beobachtet. Es kam zu einer Hausdurchsuchung und zur Besuchsüberwachung. Hinweise auf eine rechte Gesinnung brachten die Maßnahmen allerdings nicht.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 02.11.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja