Justitia (Foto: picture alliance / greatif | Florian Gaul)

Angeklagter legt Geständnis im Tankstellen-Mord-Prozess ab

  25.03.2022 | 14:24 Uhr

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Tankstellen-Mitarbeiters in Idar-Oberstein hat der Angeklagte die Tat gestanden. Er hatte den 20-jährigen Kassierer im September erschossen. Vorausgegangen war ein Streit über die Maskenpflicht.

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Schuss auf einen Tankstellen-Mitarbeiter in Idar-Oberstein hat der Angeklagte die Tat gestanden. Der 50-Jährige gab eine schriftliche Stellungnahme ab, die am Freitagvormittag von seinem Anwalt verlesen wurde.

"Sicherung durchgebrannt"

In der Stellungnahme heißt es, er bereue seine Tat zutiefst und schäme sich. Erklären könne er sein Handeln bis heute nicht. Er sei sich der Schwere der Tat bewusst und bitte die Angehörigen des 20 Jahre alten Opfers um Entschuldigung.

Idar Oberstein: Angeklagter gesteht Tat
Audio [SR 3, Stefan Schmelzer, 25.03.2022, Länge: 03:07 Min.]
Idar Oberstein: Angeklagter gesteht Tat

Er habe vor der Tat zu viel getrunken "und die Sicherung ist durchgebrannt", berichtete der Angeklagte vor Gericht. Er habe bereits sieben bis acht Halbliter-Dosen Bier intus gehabt und sich an der Tankstelle mit weiterem Bier eindecken wollen.

Angeklagter wollte ein "Zeichen setzen"

Von dem Verhalten des Tankstellen-Mitarbeiters habe er sich provoziert gefühlt, weil der Mann ihn wiederholt und kategorisch auf die Maskenpflicht hingewiesen habe und ihm kein Bier verkaufen wollte, weil er keine getragen habe.

Er sei ohne Bier weggegangen und habe sich an einer anderen Tankstelle mit drei bis vier Halbliter-Dosen versorgt und diese zu Hause getrunken. Dabei habe er sich immer mehr über das gerade erlebte Verhalten des Tankstellen-Mitarbeiters aufgeregt.

Er habe einen geladenen Revolver aus seinem Nachttisch geholt und sei erneut zu der Tankstelle gefahren mit dem Entschluss, den Angestellten in einen Streit zu verwickeln und zu erschießen, "um ein Zeichen zu setzen".

Mit der Waffe in der Warteschlange gewartet

Bei seiner Rückkehr in die Tankstelle habe der Angeklagte sich zunächst mit der Maske in die Wartereihe gestellt und gewartet, bis er an der Reihe war. Dann habe er seine Maske heruntergezogen, etwas zu dem Tankstellen-Mitarbeiter gesagt, "die Waffe gezogen, den Hahn gespannt und abgedrückt", berichtete der Angeklagte vor Gericht.

Bundesweit Entsetzen über die Tat

Die Tat, die sich im September 2021 ereignet hatte, hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Die Anwälte des Angeklagten hatten vor Beginn des Prozesses deutlich gemacht, dass sie Zweifel daran haben, dass bei der Tat die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe erfüllt sind.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 25.03.2022 berichtet.

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