Landgericht Saarbrücken (Foto: picture alliance / dpa | Oliver Dietze)

Angeklagte im Gregorius-Prozess kommen frei

Thomas Gerber   30.09.2021 | 16:52 Uhr

Im Prozess zum mutmaßlichen Mord an dem seit 30 Jahren verschwundenen Völklinger Peter Gregorius hat es am Donnerstagvormittag eine Wende gegeben. Die beiden Angeklagten wurden unter Meldeauflagen auf freien Fuß gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat dagegen Beschwerde eingelegt.

Das Landgericht hat die Haftbefehle gegen die zwei verbliebenen Angeklagten im sogenannten "Mordprozess ohne Leiche" überraschend unter Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt.

Das Gutachten einer Expertin für forensische Anthropologie hatte zuvor die Wende in dem Prozess gebracht. Sie hatte das rekonstruierte Phantomfoto eines Mannes, dessen Schädel 2003 im lothringischen Dabo gefunden worden war, mit Fotos von Gregorius verglichen.

Video [aktueller bericht, 30.09.2021, Länge: 3:19 Min.]
Angeklagte im Gregorius-Prozess kommen unter Meldeauflagen frei

Die Anthropologin kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Leiche aus Dabo mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 bis 80 Prozent um Gregorius handelt. Die Augenhöhlen, die Abstände zwischen Mund, Nase und Kinn stimmten überein. Trifft dies zu, bricht die komplette Anklage in sich zusammen, denn die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Leiche von Peter Gregorius 1991, also zwölf Jahre vor dem Fund in Dabo, von den Angeklagten in Wadgassen verscharrt wurde.

Staatsanwaltschaft legt Beschwerde ein

Ob es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste von Gregorius handelt - abschließende Klarheit könnte wohl nur der Schädel bringen – der aber ist bei der französischen Gendarmerie derzeit nicht auffindbar.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Entscheidung des Landgerichts Beschwerde eingelegt. Zur Begründung erklärte die Behörde, die Haftbefehle seien lediglich aus Gründen der Verhältnismäßigkeit aufgehoben worden, wonach eine Fortdauer der Untersuchungshaft nicht mehr zu rechtfertigen sei.

Zugleich bestehe der dringende Tatverdacht allerdings weiter, da die Haftbefehle lediglich außer Vollzug und nicht aufgehoben worden seien. Für die Staatsanwaltschaft sei die Untersuchungshaft angesichts der Schwere des Tatvorwurfs Mord weiterhin verhältnismäßig.

Keine Leiche gefunden

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, 1991 den damals 29 Jahre alten Gregorius in ein Waldstück bei Wadgassen gelockt und heimtückisch ermordet zu haben. Trotz einer großangelegten Suchaktion waren an dem mutmaßlichen Tatort keine sterblichen Überreste gefunden worden.

Die Angeklagten waren im August vergangenen Jahres festgenommen worden. Sie sollen in ihrem Umfeld mit der Tat teilweise geprahlt haben. Ein dritter Mitangeklagter hatte sich Anfang des Jahres in seiner Gefängniszelle erhängt

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten am 30.09.2021.

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