Andreas Sturm (Foto: Bistum Speyer)

Kirche "nach außen kaum noch vermittelbar"

  19.05.2022 | 19:49 Uhr

Es war ein großer Knall, als Andreas Sturm vor wenigen Tagen sein Amt als Generalvikar des Bistums Speyer niederlegte und aus der katholischen Kirche austrat. Im SR-Interview macht Sturm deutlich, dass der Umgang mit Missbrauch in der Kirche einer der Hauptgründe für seine Entscheidung war. Und, dass er keine Hoffnung auf Veränderung hat.

Die Entscheidung von Andreas Sturm hatte für großes Aufsehen gesorgt, galt er doch als Reformer der katholischen Kirche, der vieles verändern und moderner gestalten wollte. Doch dann warf er für viele überraschend das Handtuch, legte sein Amt als Generalvikar des Bistums Speyer nieder und trat sogar aus der katholischen Kirche aus.

Ehemaliger Generalvikar Andreas Sturm: "Ich habe die Hoffnung verloren"
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 19.05.2022, Länge: 07:44 Min.]
Ehemaliger Generalvikar Andreas Sturm: "Ich habe die Hoffnung verloren"

Verlorener Glaube

Der Hauptgrund seiner Entscheidung: Er habe den Glauben daran verloren, dass sich die Kirche ändern werde. Viele Themen würden auf der weltkirchlichen Ebene in Rom entschieden, sagte Sturm im SR-Interview. „Und da kann ich überhaupt nicht erkennen, dass sich irgendwas an Punkten wie Frauenordination oder Zölibat ändern wird. Auch bei dem Thema Umgang mit Macht in der Kirche – da ändert sich nichts.“

"Nach außen nicht vermittelbar"

Auch das Bild, das die Kirche aktuell nach außen präsentiere, sei nicht mehr zeitgemäß und vermittelbar. Und dennoch halte man daran fest. Sturm sprach in diesem Zusammenhang explizit das Thema Missbrauch an.

„Es stellt sich immer die Frage, wie mit Verantwortung in dieser Kirche umgegangen wird, wenn etwas herauskommt. Dann wird sich immer hinter den Papst gestellt. Dem wird dann der Rücktritt angeboten, der Papst nimmt ihn nicht an und dann ist der Fall erledigt. Das kann doch nicht sein. So tickt unsere Welt heute nicht mehr. Und das ist doch nach außen kaum noch vermittelbar“, fand Sturm deutliche Worte.

Er könne sich nicht mehr in Predigen hinstellen und den Menschen Hoffnungen machen „und ich selbst habe die Hoffnung verloren“.

Video [aktueller bericht, 19.05.2022, Länge: 1:29 Min.]
Ex-Generalvikar Sturm nach Rücktritt

"Müssen weg vom Pflichtzölibat"

Sturm kritisierte zudem den Zölibat in der katholischen Kirche. Vor wenigen Tagen hatte er öffentlich gemacht, dass er selbst Beziehungen hatte und damit den Zölibat verletzte. „Ich bin damit ja nicht alleine. Es gibt viele Priester, die unter großen Schwierigkeiten ihr zölibatäres Leben leben. Und das habe ich ja selber auch gemerkt, dass ich gescheitert bin – immer wieder. Wir müssen weg von dem Pflichtzölibat.“

Seinen Eintritt in die altkatholische Kirche begründete Sturm im SR-Interview damit, „dass diese kleine Kirche keine Denkverbote hat und dass hier Entscheidungen getroffen werden, die diese Kirche weiterbringen.“ So könnten dort seit 25 Jahren Frauen in jedes Amt gewählt werden. Zudem gebe es verheirate Priester sowie Männer und Frauen, die sich Leitungen in den Gemeinden teilten. „Das gefällt mir alles sehr gut", sagte Sturm.

Über dieses Thema hat auch der "aktuelle bericht" am 19.05.2022 im SR Fernsehen berichtet.

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