Das evakuierte Seniorenheim Katharina von Bora in Neunkirchen (Foto: SR/Marc-André Kruppa)

Neunkircher Altenheim nach Grubengas-Alarm vorerst unbewohnbar

mit Informationen von Stefan Eising und Marc-André Kruppa   25.07.2022 | 20:44 Uhr

Nach dem Grubengas-Alarm in einem Senioren- und Pflegeheim in Neunkirchen bleibt die Einrichtung bis auf Weiteres unbewohnbar. Wegen des Methan-Austrittes mussten die 69 Bewohner des Heimes am Sonntag in Sicherheit gebracht werden. Das Methangas ist nach Einschätzung der Feuerwehr eine Folge des Steinkohlebergbaus.

In einem Neunkircher Alten- und Pflegeheim mussten am Sonntag insgesamt 69 Bewohner in Sicherheit gebracht werden, nachdem im Tagesverlauf die Methangasbelastung im Umfeld der Einrichtung angestiegen war.

Video [aktueller bericht, 25.07.2022, Länge: 2:56 Min.]
Methangas macht Neunkircher Seniorenheim unbewohnbar

Wann die Bewohner wieder in die Einrichtung zurück können, ist weiterhin unklar. Laut einem RAG-Vertreter muss die Konzentration des Grubengases unter zwei Volumenprozent fallen. Erst danach sei es möglich, dass die Bewohner in das Altenheim zurückkehren können. Wie das Methan genau in das Gebäude gelangte, soll nun ein Fachgutachten klären.

Stand der Dinge nach der Seniorenheim-Evakuierung
Audio [SR 3, Marc-André Kruppa, 25.07.2022, Länge: 03:01 Min.]
Stand der Dinge nach der Seniorenheim-Evakuierung

Spezielle Pumpe im Einsatz

Die Senioren sind teilweise bei Verwandten untergekommen, teilweise im angrenzenden Fliedner Krankenhaus. Nachdem der Strom abgestellt wurde, wurden noch Krankenbetten und andere Materialien für die Heimbewohner aus dem Gebäude transportiert. Die RAG versucht zusammen mit der STEAG, Gas mit einer speziellen Pumpe abzusaugen.

Wie lange das Seniorenheim geschlossen bleibt, ist derzeit also noch offen. Das Heim trage die Verantwortung, teilte das Oberbergamt dem SR mit. Wer ein Seniorenheim im Bergbau-Gebiet baue, müsse das Gebäude auch Gas-sicher bauen. Ein Gutachten zu den Gaswerten sei vom Heim-Träger in Auftrag gegeben worden, liegt dem Oberbergamt nach eigener Aussage aber noch nicht vor.

"Methangas kommt überall dort durch, wo kein Deckel drauf ist"
Audio [SR 3, Dorothee Scharner / Tobias Rudolph, 25.07.2022, Länge: 03:03 Min.]
"Methangas kommt überall dort durch, wo kein Deckel drauf ist"

Das Wirtschaftsministerium teilte auf SR-Anfrage mit, da es sich um eine „verritzte Steinkohlelagerstätte“ handele, sei ausschließlich die RAG zuständig. Sie habe bei der Bauplanung bereits eine Bauwarnung ausgesprochen und den Betreiber, die Kreuznacher Diakonie, darauf hingewiesen, dass Abhilfsmaßnahmen geschaffen werden müssten. Die Diakonie selbst teilte dem SR mit, beim Bau des Gebäudes seien alle Vorschriften eingehalten worden.

Über 200 Einsatzkräfte beteiligt

Die Feuerwehr hatte den ganzen Sonntagnachmittag und -abend fortlaufende Messungen auf dem Gelände durchgeführt. Gegen 22.30 Uhr kam die Entwarnung: In der weiteren Umgebung der Einrichtung haben ABC-Trupps der Feuerwehr keine erhöhten Methan-Werte mehr feststellen können.

So kann der Kita-Betrieb nach Angaben der Stadt am Dienstag wieder aufgenommen werden. Die Ergebnisse der letzten Messungen seien unbedenklich gewesen.

Über den Tag hinweg waren annähernd 200 Einsatzkräfte von Feuerwehren aus dem ganzen Saarland sowie DRK, THW und Polizei an dem Großeinsatz beteiligt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 25.07.2022 berichtet.


25.07.2022, 16:12 Uhr
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es, dass 76 Bewohnerinnen und Bewohner evakuiert wurden. Die Kreuznacher Diakonie hat diese Zahl auf 69 korrigiert.

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