Blick in einen Zivilschutzbunker 2022 (Foto: Michael Schneider/SR)

Alte Bunker taugen kaum noch für Zivilschutz

Michael Schneider / Onlinefassung: Sandra Schick   08.04.2022 | 19:45 Uhr

Laut aktuellen Umfragen machen sich zwei Drittel der Deutschen Sorgen, dass Westeuropa militärisch bedroht werden könnte. Zur Zeit des Kalten Krieges wurden überall Bunker für die Bevölkerung gebaut. Aber taugen die eigentlich noch für den heutigen Zivilschutz?

Tief unter der Saarbrücker Stadtautobahn liegt einer der größten Luftschutzbunker im Saarland. Angelegt wurde er in den 60er Jahren - damals aus Angst vor einem Atomangriff. Die Einwohner der Landeshauptstadt hätten hier für mehrere Tage oder sogar Wochen Schutz suchen können. Auch eine medizinische Versorgung wäre möglich gewesen.

Video [aktueller bericht, 08.04.2022, Länge: 3:01 Min.]
Alte Bunker taugen kaum noch für Zivilschutz

Gut einen Monat lang hätte das System völlig abgeschottet von der Außenwelt funktionieren sollen. Mit speziellen Tiefenbrunnen für Trinkwasser und einer Lüftungsanlage, die bis heute betriebsbereit ist.

Das Gebäude war auf 1800 Menschen ausgelegt, also nur einen kleinen Teil der Saarbrücker Bevölkerung. Die Anlage wurde allerdings nie benutzt. Trotzdem ist sie noch weitgehend im Originalzustand erhalten.

Zivilschutz in den 60ern

Anlagen wie die in Saarbrücken waren in den 60er Jahren noch in ganz Deutschland elementarer Teil des Zivilschutzkonzepts. Bis heute sind sie überall im Saarland zu finden. Rund neun Prozent der Bevölkerung hätte in diesen Bunkern während des Kalten Krieges Schutz gefunden.

Doch heute ist keiner der Bunker mehr einsatzbereit. Im Jahr 2005 wurden die Kommunen aus der Pflicht entlassen, sie weiter instand zu halten. Die Bedrohung sei vorbei, dachte man. Heute stellen sich einige die Frage, ob das zu voreilig war.

"Zivilschutz ist seit Jahrzehnten in Deutschland vernachlässigt worden, weil keiner an Krisen gedacht hat", gibt der saarländische Innenminister Klaus Bouillon zu. "Weil man nicht davon ausgegangen ist, dass solche Situationen entstehen, wie zurzeit in der Ukraine. Hier muss umgedacht werden."

Fokus auf Naturkatastrophen

Heute hingegen konzentriert sich der Zivilschutz vor allem auf Naturkatastrophen wie Hochwasser. Von der Bevölkerung ist mehr Eigeninitiative gefordert, denn öffentliche Schutzräume wird es so schnell nicht wieder geben. Die alten Anlagen halten heutigen Anforderungen nicht mehr Stand.

Museum statt Zivilschutz

Florian Brunner vom Verein Unterirdisches Saarland richtet den Großbunker in Güdingen derzeit für einen Museumsbetrieb her. Noch in diesem Jahr könnte es losgehen.

Aber, so Brunner: "Für einen echten Schutz könnte er nicht standhalten." Denn selbst beim Brandschutz musste hier ordentlich nachgebessert werden. Das zeige: Für den Zivilschutz sind die alten Anlagen nicht mehr zu gebrauchen.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht vom 08.04.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja