Symbolfoto: Eine Frau sitzt alleine an einem Tisch und hält eine Flasche Bier in der Hand (Foto: Imago / photothek / Thomas Trutschel)

Mehr Alkohlerkrankungen bei älteren Menschen

  04.07.2022 | 12:30 Uhr

Alkoholerkrankungen bei älteren Menschen nehmen zu. Die Corona-Pandemie hat dies noch einmal verschärft, sagt Johannes Sinnwell von der Suchtberatung der Caritas in Saarbrücken. Im Gespräch mit dem SR erklärt er die häufigsten Gründe und Risikofaktoren für Alkoholmissbrauch im Alter.

Schätzungen zufolge sind im Saarland rund 19.000 Menschen alkoholabhängig. Rund 900 Menschen pro Jahr sterben an ihrem Alkoholkonsum. Gerade bei älteren Menschen nimmt die Zahl der Betroffenen zu. Die Risikofaktoren für eine Suchterkrankung hätten sich durch die Corona-Pandemie nochmal verschärft, erklärt Johannes Sinnwell von der Suchtberatung der Caritas in Saarbrücken

Eintritt in die Rente ist eine kritische Phase

Ältere Menschen haben dabei spezifische Risikofaktoren. Bei Menschen, die noch im Berufsleben stehen, spiele Überforderung und ständige Veränderungen in der Arbeitswelt eine große Rolle, sagt Sinnwell.

Eine besonders kritische Phase sei oft der Übergang vom Berufsleben in die Rente. "Man fragt sich: Was kommt für mich nach dem Beruf?" sagt Sinnwell. Auch ein Verlust des Partners oder der Partnerin im Alter und generell weniger Sozialkontakte spielten eine große Rolle. "Das sind eigentlich die Hauptrisikofaktoren für ältere Menschen."

"Risikofaktoren haben sich in der Corona-Zeit nochmal verschärft"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger / Johannes Sinnwell, 04.07.2022, Länge: 04:45 Min.]
"Risikofaktoren haben sich in der Corona-Zeit nochmal verschärft"

Körperliche Auswirkungen stärker

Dabei wirkt sich Alkoholmissbrauch bei älteren Menschen häufig anderes aus als bei jungen Betroffenen. "Gerade ältere Menschen haben zudem ein sehr hohes Risiko für körperliche Schäden durch den Alkohol, gerade in Kombination mit anderen bestehenden Erkrankungen wie Diabetes oder auch in Wechselwirkung mit Medikamenten, die sie aufgrund von bestehenden Erkrankungen einnehmen müssen."

Suchtberatung sollte angepasst sein

Auch in der Suchtberatung bräuchten diese Betroffenen eine andere Ansprache. Denn Ältere schämten sich teilweise noch mehr für ihren problematischen Alkoholkonsum. "Man muss die Lebensleistung dieser Menschen anerkennen, die oft jahrelang gearbeitet haben, Kinder groß gezogen haben. Das anzuerkennen, hilft die Schuld- und Schamgefühle abzubauen", so Sinnwell.

Im Saarland gibt es in den Landkreisen und im Regionalverband Beratungsangebote für Suchtkranke. Alle Angebote finden Sie hier.

Über dieses Thema berichtet auch die Region am Mittag bei SR 3 Saarlandwelle am 04.07.2022.

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