Pillen (Foto: SR)

Weniger Antibiotika im Saarland verschrieben

  24.09.2020 | 10:01 Uhr

Ärzte im Saarland verschreiben bei akuten Atemwegsinfektionen weniger Antibiotika. Das geht aus einer bundesweiten Studie der Ersatzkassen hervor. Der unnötige Einsatz der Medikamente soll heruntergefahren werden, um Resistenzbildung zu verhindern.

Die Untersuchung im Rahmen des Modellvorhabens „Resistenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“ (Resist) ergab, dass saarländische Ärzte in der Wintersaison 2018/19 nur noch in 30 Prozent aller Fälle Antibiotika verschrieben haben. In der Saison 2016/17 war dies noch in 36 Prozent der Fälle so gewesen - ein Minus von rund 18 Prozent in diesem Zeitraum. Bundesweit liegt die sogenannte Verordnungsrate bei 29 Prozent.

Bessere Kommunikation und Information

Als Ursache für den Rückgang nennt die Studie eine verbesserte Arzt-Patienten-Kommunikation, gezielte Fortbildungen der Ärzte und eine verbesserte Information der Patienten. Außerdem sei auch die Wirkstoffauswahl verbessert worden. Denn beim Antibiotikaeinsatz gelte das Prinzip „so schmal wie möglich, so breit wie nötig“.

Martin Schneider, Leiter der vdek-Landesvertretung Saarland, sieht in der Resistenzbildung bei Antibiotika eine große Herausforderung für die globale Gesundheit. „Mit rund 39 Millionen Verordnungen pro Jahr fallen gut 85 Prozent der Verschreibungen in Deutschland auf den ambulanten Sektor, überwiegend verordnet durch Haus-, Kinder- HNO-Ärzte bei akuten Atemwegserkrankungen.“

Reges Interesse bei Saar-Ärzten

Bei Grippe und Erkältungen seien Antibiotika aber in der Regel vollkommen wirkungslos, so Schneider, denn diese Infekte würden zu 90 Prozent von Viren ausgelöst. Resist habe gezeigt, dass durch gute Kommunikation und Information der unnötige Einsatz von Antibiotika gesenkt werden könne.

Dr. Joachim Meiser, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland, hob die hohe Akzeptanz der beteiligten Ärzte im Saarland hervor. Das erkläre auch das gute Ergebnis. Aus dem Saarland haben insgesamt 209 Ärzte an der Studie teilgenommen, bundesweit waren es 3000.

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