Telefonieren (Foto: dpa)

Ärzte dürfen fremde Patienten am Telefon behandeln

Andreas Kindel / Onlinefassung: Sandra Schick   11.04.2019 | 12:19 Uhr

Im Saarland dürfen Ärzte Patienten künftig im Einzelfall telefonisch beraten und behandeln, auch wenn sie den Patienten noch nie gesehen haben. Die Vertreterversammlung der Ärztekammer hat am Mittwoch eine entsprechende Änderung der Berufsordnung mit 20 gegen 18 Stimmen beschlossen.

Noch vor einem Jahr hatte die saarländische Ärztekammer eine Lockerung des sogenannten "Fernbehandlungsverbots" mit großer Mehrheit abgelehnt. Inzwischen hatten sich aber die Bundesärztekammer und fast alle Landesärztekammern für eine Lockerung ausgesprochen.

Schon jetzt tausende Online-Beratungen

Der saarländische Ärztekammer-Präsident Josef Mischo hatte für die Lockerung geworben und darauf verwiesen, dass deutsche Patienten schon jetzt tausendfach Online-Arztpraxen im Ausland anrufen. Die nach eigenen Angaben größte Online-Praxis Europas, "Zava" in London, berichtet von bereits über 400.000 Beratungen und Behandlungen in Deutschland - auch im Saarland. Kritiker befürchten hingegen, dass die Fernbehandlung nicht in ärztlicher Hand bleibt, sondern zum Geschäft für große Unternehmen wird.

Rezepte und Krankschreibungen momentan nicht möglich

Patienten, die nun hoffen, sich für eine Krankschreibung den Weg in die Praxis sparen zu können, muss Mischo enttäuschen. "Der Gesetzgeber erlaubt es derzeit nicht, Rezepte oder Krankschreibungen per Fernbehandlung auszustellen." Allerdings habe das Bundesgesundheitsministerium bereits angekündigt, den rechtlichen Rahmen dafür schaffen zu wollen.

Aber in welchen Fällen ist die Behandlung per Telefon oder Videokonferenz überhaupt möglich? Mischo sagt, diese Entscheidung obliege letztlich dem Arzt. Es gebe keine festen Vorgaben dafür. Allerdings sei bei gesetzlich Krankenversicherten der Rahmen dadurch beschränkt, dass die Krankenkassen diese Form der Behandlung momentan noch nicht in allen Fällen bezahlen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 11.04.2019 berichtet.

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