Schild "Treppe freihalten" (Foto: SR/Imago/Mis)

Ärger um Parkknöllchen an Brebacher Testzentrum

mit Informationen von Lena Schmidtke   02.07.2021 | 13:38 Uhr

Besucher eines Testzentrums in einer Brebacher Turnhalle haben wegen angeblichen Falschparkens hohe Zahlungsbescheide erhalten. Dabei hatten sie gar nicht illegal geparkt. Veranlasst hatte das der Pächter der Halle. Er wähnt sich im Recht, mancher Empfänger wittert Betrug.

30 Minuten parkte Holger Gundlach im April vor dem Festsaal der Turnhalle Brebach, als dort ein Corona-Testzentrum eingerichtet war. Wochen später erhielt er einen Brief der Firma falschparkermelden.de mit einer Forderung über rund 130 Euro. Er habe sein Fahrzeug entweder unerlaubt auf einem privaten Stellplatz abgestellt oder widerrechtlich vor einer Ein- oder Ausfahrt geparkt.

Pächter als Auftraggeber

Im Brief als Auftraggeber hinterlegt: der Pächter der Turnhalle Brebach. Der hatte Schilder am Gebäude angebracht, auf denen unter anderem steht: „Nur für Gäste“ oder „Treppe unbedingt freihalten“.

Gundlach kam das komisch vor. Weil er im Bezirksrat sitzt, kannte er die Immobilie und erkundigte sich, ob die Parkplätze überhaupt im Pachtvertrag steht. "Das wurde geprüft: Nein, die sind nicht im Pachtvertrag enthalten. Die Schilder sind widerrechtlich angebracht.“

Parkplätze nicht mitgepachtet

Die Stadt Saarbrücken bestätigt auf SR-Anfrage: „Die Parkplätze sind nicht von den Pächtern mitgepachtet. Es handelt sich faktisch um öffentlichen Verkehrsraum.“

Ärger wegen angeblichem Falschparken
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 02.07.2021, Länge: 03:19 Min.]
Ärger wegen angeblichem Falschparken

Somit hat Holger Gundlach nicht falsch geparkt – und die Zahlungsforderung ist nichtig. Genauso wie bei vielen anderen auch: Apotheker Andreas Gerlach hat das Testzentrum in der Turnhalle Brebach betrieben und ebenfalls einen Brief mit Knöllchen erhalten, ebenso einige seiner Mitarbeiter und viele seiner Kunden.

Gerlach vermutet in der Sache eine richtige Betrugsmasche: "Wenn die das groß aufgezogen und alle halbe Stunde vielleicht Fotos gemacht haben, können die pro Tag 50 oder 100 Leuten einen Strafzettel geschickt haben mit hohen Beträgen. Das ist gewerbsmäßiger Betrug."

Pächter verteidigt sich

Der Pächter, der nicht genannt werden möchte, weist das allerdings klar von sich. Am Telefon teilte er aber mit, dass er die Parkplätze sehr wohl mitgemietet hätte. Er würde sie schließlich auch pflegen und sauber halten.

Während der Coronatestungen im Festsaal der Turnhalle Brebach hätten außerdem chaotische Park-Zustände geherrscht: Anstatt ein paar Meter weiter zu laufen, hätten die Kunden alles kreuz und quer zugeparkt, selbst die Treppe zur Eingangstür.

Die Pächterfamilie würde im selben Haus wohnen und hätte teilweise nicht mal einen Parkplatz zum Ausladen der Einkäufe gefunden. Auf freundliche Hinweise seien Kunden sogar frech und ausfallend geworden. Mit den Meldungen über falschparkermelden.de hätten sie sich keineswegs bereichern wollen, es sei lediglich die einzige Möglichkeit gewesen, die Leute vom Parken auf ihrem Gelände abzuhalten.

Anzeige erstattet

Es bleibt allerdings dabei: Die Parkplätze sind de facto nicht mitgemietet. Holger Gundlach hat auch schon versucht, das bei falschparkermelden.de zu erklären – erfolglos. Statt einer Antwort bekam er einen Brief mit einer Zahlungsaufforderung über 500 Euro, weil er auf die Ausgangsforderung nicht eingegangen ist. Bei einigen seien die Beträge inzwischen auf über 800 Euro gestiegen.

Apotheker Andreas Gerlach hat inzwischen Anzeige erstattet und will im Notfall vor Gericht ziehen: „Weil ich vermute, dass die versucht haben, in der Coronazeit sich widerrechtlich die Taschen voll zu machen.“

Über dieses Thema hat auch die Sendung Region am Nachmittag auf SR 3 Saarlandwelle am 02.07.2021 berichtet.

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