Nudeln und Soße werden auf einem Teller angerichtet (dpa) (Foto: dpa)

Saarbrücker Kitas: Ärger um Caterer

Kai Forst   08.03.2018 | 12:45 Uhr

Eigentlich hätten seit 1. Februar drei Caterer die Essensauslieferungen an die städtischen Kitas in Saarbrücken übernehmen sollen. Tatsächlich haben aber nur zwei ihren Dienst vor rund vier Wochen angetreten. Hintergrund ist ein gefundener Glassplitter. Zudem gibt es Beschwerden über die Qualität des Essens.

Seit dem 1. Februar laufen die neuen Verträge zwischen der Stadt Saarbrücken und den Caterern für die Belieferung der städtischen Kindergärten. Eigentlich hätten drei Betriebe die Verpflegung der insgesamt 20 Kitas übernehmen sollen. Doch wie SR-Recherchen ergeben haben, ist einem der Caterer noch vor dem Startschuss Anfang Februar seitens der Stadt gekündigt worden. Anlass soll ein Glassplitter sein, der in einem Essen gefunden wurde.

Stadt bestätigt Vertragskündigung

Forderungen nach besserem Kita-Essen in Saarbrücken
Audio [SR 1, Kai Forst, 08.03.2018, Länge: 02:03 Min.]
Forderungen nach besserem Kita-Essen in Saarbrücken

Auf Anfrage bestätigt die Stadt den Zwischenfall. Demnach sei, so Pressesprecher Thomas Blug, bereits am vierten Dezember in einem Essen ein Glassplitter gefunden worden. Zu Schaden sei durch den Splitter niemand gekommen. Zur Erklärung: Der Caterer belieferte zuvor bereits zwei Grundschulen. „Am 5. Dezember 2017 hat die Stadtverwaltung der Firma die weitere Belieferung von Mittagessen an die beiden Grundschulen bis auf weiteres untersagt.“ Zum Zeitpunkt des Vorfalls hatte sich der Caterer aber bereits erfolgreich für die Belieferung von verschiedenen städtischen Kitas beworben. Der Auftrag wurde daraufhin gekündigt. Der betroffene Betrieb teilte SR.de mit, man habe sich sofort von der für die Küchenleitung zuständigen Person getrennt. „So etwas darf natürlich nicht passieren“, so der Geschäftsführer. Es sei allerdings schwer nachzuvollziehen, wie der Glassplitter in das Essen gelangt sei, da auch mehrere Lieferanten und auch die Fahrer am gesamten Prozess beteiligt seien.

Beschwerden über Qualität des Essens

Den neuen Zuschlag bekam nach Angaben der Stadt der „zweitwirtschaftlichste Anbieter“ – also der kostengünstigste. Der versorgt nun 16 der insgesamt 20 Saarbrücker Kitas. Doch nach SR-Informationen gibt es zahlreiche Beschwerden über die Qualität des Essens. Über lauwarme Mahlzeiten, Fischgräten in Soßen und die Verwendung zu vieler Instant-Produkte wird sich ebenso beklagt wie über die häufig unpassende Zusammenstellung der Gerichte. Die Stadt bestätigte auf Anfrage, dass es Beschwerden gebe. Man stehe „in engem Austausch mit dem Caterer, um die Qualität des Essens fortlaufend zu verbessern“.

Auch der betroffene Betrieb bestätigte, dass es Kritik gegeben habe. Auf einzelne Kritikpunkte wollte der Inhaber auf Nachfrage nicht eingehen. Ein Treffen mit der Stadt stünde aber kurz bevor. Laut der Stadtverwaltung hat der Caterer vier Wochen Zeit, um beim Essen nachzubessern. Was aber, wenn er es – aus welchen Gründen auch immer – nicht schafft? „Davon gehen wir zunächst einmal nicht aus“, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

1,4 Millionen Mahlzeiten in vier Jahren

Insgesamt geht es in den nächsten vier Jahren – so lange laufen die neuen Verträge – um 1,4 Millionen Mahlzeiten für die Kinder der städtischen Kitas in Saarbrücken. Zu Kritik war es bereits im Laufe des Vergabeverfahrens gekommen. So hatten sich die bisherigen Lieferanten darüber beklagt, von der Stadt nicht rechtzeitig über die Neuausschreibung informiert worden zu sein. Auch mehrere Kitas hatten sich dafür eingesetzt, ihren alten Caterer behalten zu dürfen und hatten eine Verschlechterung des Essens befürchtet.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 08.03.2018 berichtet.

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