Blick auf einen leeren Sportplatz (Foto: dpa/Carsten Rehder)

Adieu Sportverein - Hallo Förderverein

Sandra Schick   14.09.2018 | 06:30 Uhr

Die saarländische Vereinslandschaft ist im Wandel. Während gerade auf dem Land immer mehr Sport- und Musikvereine aufgeben müssen, sprießen andererseits neue Fördervereine aus dem Boden. Experten sagen: Das traditionelle Vereinsdenken ist "out" - sich für einen guten Zweck zu engagieren aber bleibt "in".

Studiogespräch: "Auffällig viele Fördervereine neugegründet"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Gerd Heger / Oliver Buchholz, 14.09.2018, Länge: 04:03 Min.]
Studiogespräch: "Auffällig viele Fördervereine neugegründet"

Das Saarland ist ein Land der Vereine - noch. Denn in den letzten zwölf Jahren gab es besonders bei Sport- und Musikvereinen ein regelrechtes Vereinssterben. So gibt es heute im Saarland nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 270 Sportvereine weniger als noch vor zwölf Jahren. Die Zahl der Mitglieder sank von rund 420.000 auf etwa 371.000.

Rund 2640 Sportvereine waren im Jahr 2017 im Vereinsregister eingetragen. Die meisten davon sind – wenig verwunderlich – Fußballvereine mit 369 Vereinen, gefolgt von Turnvereinen (339), Tennis (168) und Schützenvereinen (154). Fakt ist aber auch: In nahezu allen Sportarten haben sich in den vergangenen Jahren Vereine aufgelöst.

Dieser Trend betrifft nicht nur Sportvereine: Auch Musikvereine und Chöre haben mit deutlich schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, auch hier gibt es heute über 100 Vereine weniger als noch 2006.

Video [aktueller bericht, 14.09.2018, Länge: 1:26 Min.]
Die Vereinslandschaft im Saarland

Paradox: Mehr Ehrenamtliche und trotzdem Vereinssterben

Panorama
Spieglein, Spieglein... Wer hat die meisten Vereine im Land?
Das Saarland ist das Bundesland mit der höchsten Vereinsdichte. Innerhalb des Saarlandes selbst variieren die Zahlen von Ort zu Ort - und das teilweise sehr stark. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist Gersheim der Ort mit der höchsten Vereinsdichte.

Trotz dieses Vereinssterbens gibt es heute aber im Saarland insgesamt sogar mehr Vereine als im Jahr 2006. Und es gibt deutlich mehr Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sagt Hans Joachim Müller, der Präsident von Pro Ehrenamt: „Im Zeitraum der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der Ehrenamtlichen im Saarland um 91.000 erhöht.“

Auf der einen Seite Vereinssterben – auf der anderen Seite mehr Ehrenamtliche und mehr Vereine. Was zunächst paradox klingt, hat besondere Hintergründe. „Es gibt nicht mehr das traditionelle Vereinsdenken“, sagt Müller. Wer heute einen Verein gründe, der tue das meist, um damit eine Einrichtung zu unterstützen, die ihm wichtig ist. Das kann zum Beispiel die Grundschule oder der Kindergarten der eigenen Kinder sein, die Freiwillige Feuerwehr des Dorfes oder das Schwimmbad, das von der Schließung bedroht ist. Fast jede Einrichtung hat heute einen eigenen Förderverein. Auch viele Sportvereine haben noch einen zusätzlichen Förderverein.

Der Trend geht zu Fördervereinen

Immer mehr Fördervereine im Saarland
Audio
Immer mehr Fördervereine im Saarland
„Die Vereine sterben aus“, diesen Satz hört man immer häufiger, auch bei uns im Saarland. Dass das so nicht stimmt, zeigt eine Studie des Stifterverbandes. SR 3-Reporter Oliver Buchholz hat einen neugegründeten Förderverein in Wadrill besucht.

„Fördervereine spielen heute eine immer wichtigere Rolle“, sagt Jana Priemer vom Stifterverband. Dessen repräsentative Befragung „ZiviZ-Survey“ kommt zu dem Ergebnis, dass Fördervereine heute die Vereinslandschaft entscheidend prägen. Demnach ist vor allem bei den Neugründungen ein deutlicher Trend zu Fördervereinen zu verzeichnen. „Der Förderverein hat vor 20 Jahren kaum eine Rolle gespielt, aber gerade in den vergangenen Jahren beobachten wir hier einen deutlichen Zuwachs“, so Priemer.  

Im Saarland sind aktuell über 1400 fördernde Vereine im Vereinsregister gelistet. Sehr viele von ihnen unterstützen Schulen oder Kindergärten. Dieses Bild sei ganz typisch, sagt Jana Priemer: „Schulen und Kindergärten suchen ein Instrument, mit dem sie Gelder für sich generieren können. Eine Schule kann keine Spenden für sich sammeln – aber ein Förderverein kann das.“ Zudem wollten Eltern heute gerade im Bildungsbereich mehr Einfluss nehmen, sagt die Forscherin.

Auch tragen Fördervereine dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung. „Sie sind eine Möglichkeit, sich relativ einfach und unkompliziert einzubringen. Man bezahlt den Beitrag, muss aber keine Zeit investieren – und hat trotzdem das Gefühl etwas Gutes getan zu haben“, sagt Priemer. Und Hans Joachim Müller von Pro Ehrenamt sieht auch Imagegründe: „Ein Förderverein hat ein anderes Image hat, als der eigentliche Verein. Da sind die Leute eher bereit, Geld dafür zu geben."

Video [aktueller bericht, 14.09.2018, Länge: 1:26 Min.]
Interview mit Monika Lambert-Debong, Verband der Gartenbauvereine

Über dieses Thema haben auch die Hörfunknachrichten am 14.09.2018 berichtet.

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