Bischof Stephan Ackermann (Foto: Pasquale d´Angiolillo/SR)

Ackermann hält am Zölibat fest

  07.02.2019 | 10:16 Uhr

Der Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für Fragen sexuellen Missbrauchs, Stephan Ackermann, sieht eine Abschaffung des Zölibats skeptisch. „Es wäre naiv zu denken, dass wir vor Missbrauch sicher wären, wenn wir nur den Zölibat über Bord werfen“, sagte der Bischof von Trier der „Südwest Presse“.

Der Zölibat ist die Verpflichtung katholischer Priester zur Ehelosigkeit. Ackermann führte aus, er persönlich halte den Zölibat für eine wertvolle Lebensform. Im September hatte die Deutsche Bischofskonferenz eine Missbrauchsstudie vorgestellt. Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben.

Bischof Ackermann sagte, die Wissenschaftler hätten betont, dass der Zölibat nicht per se der Auslöser von Missbrauch sei. „Doch die Forscher haben auch gesagt: In Kombination mit bestimmten Faktoren wird der Zölibat zum Risiko.“ Daher sei Auswahl, Ausbildung und Begleitung von Priestern so wichtig.

Kirche muss Möglichkeiten aufzeigen

„Wenn die Kirche am Zölibat festhält, muss sie Möglichkeiten aufzeigen, wie der Zölibat gelebt werden kann, auch um den Einzelnen vor dem Ausbrennen, dem Abgleiten in Sucht oder Einsamkeit zu schützen.“ Ackermann ist überzeugt: „Wenn der Zölibat einfach freigegeben wird, wird diese Lebensform verschwinden. Denn wer dann zölibatär lebt, kommt schnell in den Verdacht, dass bei ihm etwas ‚nicht stimmt‘.“

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Vertretung katholischer Laien hatte im November umfassende Reformen als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal gefordert – unter anderem die Abschaffung des Zölibats.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 07.02.2019 berichtet.

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