Bischof Stephan Ackermann (Foto: Pasquale d´Angiolillo/SR)

Ackermann setzt auf externe Missbrauchs-Aufklärer

Axel Wagner / mit Informationen von KNA und dpa   12.03.2019 | 16:42 Uhr

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann will Missbrauchsverdachtsfälle in kirchlichen Einrichtungen künftig von externen Experten untersuchen lassen. Die Beauftragung einer unabhängigen Person, die die Fälle sexueller und körperlicher Gewalt in einem geschlossenen Bischöflichen Internat in der Vulkaneifel untersuchen soll, stehe kurz bevor, kündigte das Bistum Trier am Dienstag an.

„Nicht zuletzt müssen wir prüfen, ob es Versäumnisse oder gar Vertuschung von Fällen durch Verantwortliche gegeben hat“, so der Bischof nach einem Treffen mit seinem diözesanen Beraterstab. Dies könnten die heute Verantwortlichen zwar nicht wiedergutmachen. Aber „wir können Fehler eingestehen und uns bemühen, aus diesen Fehlern zu lernen“.

Das Bischöfliche Internat Albertinum in Gerolstein existierte von 1946 bis 1982 als Heim für Jungen, die das staatliche Gymnasium der Kleinstadt besuchten. Nach Bistumsangaben gingen in den Jahren 2010 und 2012 Hinweise auf körperliche Misshandlungen am Albertinum ein. Nach Recherchen des „Trierischen Volksfreund“ vom August 2018 bestätigte die Diözese, dass es mittlerweile gegen alle drei ehemaligen Leiter des Albertinums Vorwürfe sexueller und körperlicher Gewalt gibt. Bislang sei der Antrag eines Missbrauchsopfers auf finanzielle Leistungen in Anerkennung des Leids anerkannt worden.

Betroffene stärker einbinden

Ackermann, der seit 2010 Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs ist, betonte, wie wichtig es sei, Betroffene stärker einzubeziehen. Der persönliche Kontakt mit den Opfern sei für ihn „der erste und wichtigste Aspekt mit Blick auf die Aufarbeitung“. Derzeit gehe es darum, die Perspektive der Betroffenen noch stärker in der regulären Arbeit von Aufklärung und Prävention zu verankern. Zudem komme es darauf an, im Verbund mit anderen Bistümern Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung festzulegen, „die vielleicht sogar Versöhnungsprozesse möglich macht“. Derzeit überprüfe ein Beraterstab, wie Fälle aus der Vergangenheit bisher aufgeklärt wurden. Fälle in Einrichtungen wolle er von externen, unabhängigen Experten untersuchen lassen, sagte der Bischof.

Bistümer dürfen nicht nachlassen

Auch die Überarbeitung der Aktenführung, die Forscher der im September 2018 veröffentlichten Studie zum Missbrauchsskandal den Bischöfen empfohlen haben, sei eine Aufgabe, die im Verbund angegangen werden müsse. Zudem sei bei der Prävention von Missbrauch ein „wiederum bistumsübergreifendes Monitoring“ unabdingbar, sagte Ackermann. Nur so könne gewährleistet werden, „dass die Bistümer in ihren Bemühungen nicht nachlassen und alle stets auf dem neuesten Stand sind“.

Dem Trierer Beraterstab Ackermanns, der in der vergangenen Woche tagte, gehören neben Bistumsverantwortlichen und den Ansprechpersonen für sexuellen Missbrauch auch Experten aus der Beratungs- und Präventionsarbeit an. Der Umgang mit dem Missbrauchsskandal ist derzeit eines der Hauptthemen der deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrskonferenz in Lingen (Niedersachsen).

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