Das Gebäude der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Homburg (Foto: Imago Images /BeckerBredel)

U-Ausschuss stellt Abschlussbericht zu Vorfällen an Uniklinik vor

Thomas Gerber / Onlinefassung: Anne Staut   11.01.2022 | 16:52 Uhr

Der Untersuchungsausschuss zu den mutmaßlichen Missbrauchsfällen an der Homburger Uniklinik hat am Dienstag seinen Abschlussbericht vorgestellt. Für die Ausschussmitglieder steht fest: Die Verantwortlichen haben versagt. Eine politische Bewertung steht allerdings noch aus. Die erfolgt kommende Woche Mittwoch in der Plenarsitzung des Landtags.

Der Untersuchungsausschuss zum mutmaßlichen Missbrauchsskandal in der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie hat am Dienstag seinen Abschlussbericht einstimmig verabschiedet. Auf 450 Seiten ist darin die komplette Beweisaufnahme einschließlich der Vernehmung von 90 Zeugen in den 32 Sitzungen seit Oktober 2019 nachvollzogen.

Video [aktueller bericht, 11.01.2022, Länge: 3:50 Min.]
Reaktionen auf UKS-Abschlussbericht zu mutmaßlichen Missbrauchsfällen

In weiten Teilen sind sich CDU und SPD einig: Die Hauptverantwortung für den Skandal trägt der Vorstand der Uniklinik. Der sei Hinweisen auf pädophile Neigungen des verstorbenen Assistenzarztes Matthias S. nicht rechtszeitig nachgegangen, habe viel zu spät Strafanzeige erstattet und auch danach wenig bis gar nichts zur Aufklärung beigetragen, sondern die Aufsichtsgremien und -behörden umgangen.

Kein gemeinsames Abschlussvotum

Für ein gemeinsames großkoalitionäres Abschlussvotum reicht es aber nicht aus. Denn beide haben etwas zu verlieren:

U-Ausschuss UKS stellt Abschlussbericht vor.
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 11.01.2022, Länge: 03:16 Min.]
U-Ausschuss UKS stellt Abschlussbericht vor.

Die SPD in Gestalt der damaligen Justizstaatssekretärin Anke Morsch, die als Aufsicht der Staatsanwaltschaft vom Nichtinformieren der Betroffenen gewusst hatte.

Die CDU in Gestalt des aktuellen Gesundheitsstaatssekretärs Stephan Kolling, der laut einer Aktennotiz bereits 2014 über die Vorgänge informiert gewesen sein soll. Was Kolling vehement bestreitet.

Linke sehen systematische Vertuschung

Ob es kommende Woche zwischen SPD und CDU zum offenen Konflikt kommt, scheint angesichts des bevorstehenden Wahlkampfs durchaus möglich. Die Linken sprechen von systematischer Vertuschung und fordern unter anderem Kollings Rücktritt.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-"Region am Nachmittag" am 11.01.2022 berichtet.

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