Ein Arzt hält Geldscheine in der Hand. (Foto: Tobias Hase/dpa)

97 Betrugsfälle in Blieskasteler Praxis

Thomas Gerber / Onlinefassung: Axel Wagner   12.04.2019 | 07:28 Uhr

Zu den Ermittlungen gegen einen Blieskasteler Allgemeinmediziner und 13 Privatpatienten hat die Staatsanwaltschaft weitere Einzelheiten bekannt gegeben. Gegen den Mediziner werde wegen Beihilfe und gegen seine Patienten wegen Betruges ermittelt, teilte die Behörde auf SR-Anfrage mit. Auch ein Beamter des Finanzministeriums steht demnach im Fokus.

Der Blieskasteler Mediziner soll nicht erbrachte Leistungen in Rechnung gestellt haben. Diese Rechnungen sollen dann von den Patienten bei privaten Krankenkassen oder der Beihilfestelle eingereicht worden sein. Der Verdacht beziehe sich aktuell auf 97 Rechnungen über Beträge zwischen 42 und 8000 Euro.

Auch Beamter steht unter Verdacht

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass auch gegen einen Beamten des Finanzministeriums ermittelt werde und es außer der Razzia in der Blieskasteler Praxis und bei deren Patienten auch bei ihm am Mittwoch eine Hausdurchsuchung gegeben habe.

Der Anwalt des Beamten, der im Ministerium die Position eines stellvertretenden Abteilungsleiters innehat, sagte dem SR, sein Mandant werde mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Den Durchsuchungsbeschluss wegen gewerbsmäßigen Betruges halte er jedoch für übertrieben. Dagegen werde er Beschwerde einlegen. Nach SR-Informationen soll der Beamte insgesamt fünf Arzt-Rechnungen bei der Beihilfestelle eingereicht haben. Das erhaltene Geld will er dem Arzt bar übergeben haben. Ob es dafür Quittungen gibt und die Zahlungen von dem Arzt versteuert wurden, ist derzeit unklar.

Beamter des Ministeriums derzeit nicht im Dienst

Das Finanzministerium hat die Staatsanwaltschaft um weitere Informationen zu den Ermittlungen gebeten. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte dem SR, dass man durch Presseanfragen erfahren habe, dass ein hoher Beamter des Ministeriums möglicherweise in den Abrechnungsbetrug verwickelt sei. Dienstrechtliche Maßnahmen seien bisher nicht ergriffen worden, würden allerdings geprüft. Rein "vorsorglich" habe man bereits die Innenrevision eingeschaltet. Der Beamte befinde sich derzeit "aus persönlichen Gründen" nicht im Dienst.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 11.04.2019 berichtet.

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