Abiturienten während einer Prüfungssarbeit (Foto: dpa/Frank Rumpenhorst)

Mathe-Abitur wird am Mittwoch überprüft

Axel Wagner   06.05.2019 | 21:24 Uhr

Nach der Kritik am diesjährigen Mathematik-Abitur im Saarland hat Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) eine Überprüfung der Aufgaben in der Korrektorenkonferenz am kommenden Mittwoch angekündigt. Von den Lehrkräften habe es bis dato allerdings keine Vorwürfe gegeben.

„Zunächst einmal empfehle ich allen an den diesjährigen Abiturprüfungen teilnehmenden Schülerinnen und Schülern, sich in den nächsten Tagen auf die noch anstehenden Prüfungen zu konzentrieren“, teilte Commerçon dem SR auf Anfrage mit. Die zuständige Korrektorenkonferenz werde sich am Mittwochnachmittag ausführlich mit den im Abitur des G- und E-Kurses gestellten Aufgaben beschäftigen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen, um eine faire Bewertung vorzunehmen. Das Ergebnis soll dann am Donnerstag vorliegen.

Video [aktueller bericht, 06.05.2019, Länge: 2:53 Min.]
Streit um Mathe-Abi

Im Saarland werden die Abituraufgaben nach Ministeriumsangaben von erfahrenen saarländischen Lehrern zusammengestellt. Für die Kernfächer Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch können und sollen dabei auch Aufgaben aus dem bundesweiten Aufgabenpool der Kultusministerkonferenz genutzt werden. Auch dieses Jahr seien für das Mathe-Abitur Teilaufgaben aus dem Pool verwendet worden.

Eltern und Lehrer fordern Überprüfung

Wie geht's weiter nach dem Mathe-Abi?
Audio [SR 1, Daniel Simarro, Thomas Treinies, 06.05.2019, Länge: 02:24 Min.]
Wie geht's weiter nach dem Mathe-Abi?

Unterstützung für die saarländischen Schüler kommt von der Landeselternvertretung der Gymnasien. „Proteste der Schüler zu unfair gestellten Aufgaben nehmen wir sehr ernst – sei es jetzt im Fach Mathematik oder zuletzt im Fach Englisch“, teilte die Vorsitzende Katja Oltmanns mit. In der Online-Petition seien allerdings sehr unterschiedliche Aussagen zu finden.

Dort kritisierten die Schüler, dass Prüfungsaufgaben nicht Teil des Lehrplans gewesen und die Aufgaben aus dem bundesweiten Pool zum Teil unklar formuliert gewesen seien, aber auch, dass die Prüfung grundsätzlich nicht machbar gewesen sei. Forderungen, wonach Prüfungsaufgaben in einem zu 100 Prozent bekannten Format gestellt werden sollen, erteilte sie eine Absage. „Bei einem Abitur gibt es immer einen Teil, der sich ‚Transferleistung‘ nennt und der von einem guten Abiturienten auch gemeistert werden kann.“ Einen „Grundanspruch“ auf ein gutes Abitur lehnt Oltmanns ab.

Die Gesamtlandeselternvertretung (GLEV) erwartet von der Stellungnahme der Prüfungskommission am Mittwoch Kenntnis darüber, ob und in welcher Form betroffene Prüfungsteile für die Benotung relevant und mögliche Ungerechtigkeiten ausgleichbar seien. „Das Abitur stellt den höchsten erreichbaren Schulabschluss dar. Dementsprechend müssen von den Schülerinnen und Schülern auch die Leistungen erbracht werden“, erklärte die Landesvorsitzende Judith Franz-Lehmann. Geschenkt werde das Abitur nicht, aber es müsse auch nicht unnötig erschwert werden.

Interview: "So wie man früher geprüft hat, wird heute nicht mehr geprüft"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen, 06.05.2019, Länge: 03:31 Min.]
Interview: "So wie man früher geprüft hat, wird heute nicht mehr geprüft"

Der Vorsitzende des Saarländischen Philologenverbandes, Marcus Hahn, sagte, im Abitur würden zunehmend andere, mehr anwendungsbezogene Aufgabenformate eingesetzt. Das stelle die Schüler vor Herausforderungen. Auch seien die Abiturprüfungen von heute aufgrund eines veränderten Umfeldes schwieriger mit früheren Prüfungen zu vergleichen. Beschwerden müsse man prüfen.

Bundesweit unterschiedliche Einschätzungen

In mehr als der Hälfte der Bundesländer protestieren die Abiturienten gegen das diesjährige Mathematik-Abitur. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert angesichts der Schülerproteste eine Überprüfung der Klausuren. „Man muss die Kritik ernst nehmen“, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Montag in Berlin. Der VBE repräsentiert als Fachgewerkschaft im Deutschen Beamtenbund Erzieher und Lehrer.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, mahnte angesichts der Online-Petitionen zur Gelassenheit. „Im Internet lässt sich Erregung schnell mobilisieren, deshalb sollten wir abwarten“, sagte er der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Wenn es Anzeichen für eine erschwerte Prüfung gebe, müsse über eine Neubewertung nachgedacht werden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 06.05.2019 berichtet.

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