Grundschüler sammeln Müll. (Foto: Manuela Weichsel/SR)

Picobello-Aktion: Welt retten in Bübingen

Manuela Weichsel   30.03.2019 | 08:30 Uhr

Randvolle Tüten mit Plastikverpackungen, Zigarettenstummeln und alten Taschentüchern stehen auf dem Schulhof: Grundschüler aus Bübingen haben dort und im Dorf Müll gesammelt. Startschuss für die Aktion „Saarland picobello“, mit der jedes Jahr der Frühjahrsputz im Saarland eingeläutet wird.

Video [aktueller bericht, 29.03.2019, Länge: 6:33 Min.]
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Die noch leeren, federleichten Plastiktüten wirbeln durch die Luft. Gelbe Gummihandschuhe werden in den strahlend blauen Himmel geworfen und Holzzangen als Schwerter zweckentfremdet. Die Stimmung ist erwartungsvoll aufgeregt.

Seit Wochen haben sich die rund 90 Schüler und Schülerinnen der Grundschule in Bübingen auf „Saarland picobello“ vorbereitet, den landesweiten Frühjahrsputz. „Ich weiß schon, wo überall Müll liegt!“ tönt es aus der Gruppe. „Das ist unser Friday for Future“, lacht Doris Arnold, Lehrerin der ersten Klasse.

„Saarland picobello“ gibt es allerdings schon länger – mittlerweile seit 16 Jahren. Der Frühjahrsputz wurde von der Landesregierung ins Leben gerufen und vom Entsorgungsverband Saar (EVS) organisiert. Freitag und Samstag haben sich allein in Saarbrücken rund 80 Gruppen und Einzelaktionen mit insgesamt über 3600 Helfern angemeldet.

Müllsammelaktion "Saarland picobello"

Bevor Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) die Aktion an der Grundschule in Bübingen kurz nach Schulbeginn am Freitag eröffnet, bekommt sie von einer Schülerin einen selbst gestalteten Brief zugesteckt: „Danke, dass sie mit unserer Schule die Welt retten wollen“, heißt es da. Dass sie einen wichtigen Beitrag leisten, das ist den Grundschülern offenbar ganz bewusst. „Mein Tag ist jetzt schon gerettet“, sagt Britz sichtlich gerührt.

Endlich kann es losgehen

Endlich können Schüler und Lehrer die Arbeit aufnehmen. Die älteren Klassen strömen enthusiastisch Richtung Dorf. Die Erstklässler bleiben mit Doris Arnold und Integrationshelferin Johanna Heck auf dem Schulgelände. In Zweiergruppen sind sie unterwegs, sie teilen sich ein Paar Handschuhe, eine Zange und eine Plastiktüte. Leichtes kommt in die Plastikbeutel, schwere Dinge und Glas in Frau Arnolds Eimer.

Nach zehn Minuten pfeift die Lehrerin, das ist das Signal, Handschuhe und Zangen weiterzugeben. Rasant füllen sich die Mülltüten, die die Schüler mittlerweile nicht mehr durch die Luft wirbeln, sondern tragen wie wertvolle Schätze. Was darin ist zählt Eileen stolz auf: „Gummibärchen-Packungen, Lollipops, Tüten, Papier,...“

Keine Berührungsängste

Begeisterung, Erstaunen, Stolz. Auch von kleineren Dingen werden diese Emotionen ausgelöst: Haargummis, alte Deo-Flaschen, ein Einkaufschip, ein volles Netz Knoblauch. Berührungsängste gibt es keine. Rasch sind die Blicke geschult, mit souveränen Hand- oder Zangengriffen werden selbst kleinste Schnipsel in die Beutel befördert. Dann gibt es ein Problem: Eine Flasche hinter dem Zaun, außerhalb des Schulhofgeländes.

„Wir wollten noch die Flasche da hinten rausholen. Da kommen wir nicht dran!“ Ein kurzer Moment der Enttäuschung für die Schüler. „Frau Arnold hat uns verboten, über den Zaun zu klettern.“ Die hat aber eine andere Idee: Mit der längeren Profi-Zange klappt es mit der Flasche dann doch.

Auch der Lehrerin merkt man die Begeisterung an. In ihrem Sachunterricht beschäftigen sich die Schüler schon seit Wochen mit dem Thema. Jetzt das große Finale. Doris Arnold strahlt: „Eben sagt der Leon zu mir: ‚Das ist der schönste Tag! ‘“

Der Müll der Erwachsenen

Und das nicht nur, weil deswegen der Unterricht ausfällt. Nicht so schön ist, dass es den ganzen Müll überhaupt gibt. Johanna hat eine Idee, wo der überhaupt herkommt: „Die Krähen holen aus dem Mülleimer immer ganz viel Dreck! Meistens sind es aber die Erwachsenen und die Jugendlichen!“ Es ist eine Feststellung, sie sagt es ohne jeglichen Vorwurf in der Stimme.

Auf die Frage, was die Schüler machen, wenn der Schulhof gleich sauber ist, antwortet sie ohne zu zögern: „Naja dann gucken wir halt noch auf dem Parkplatz.“ Während sie spricht, sammelt sie die letzten Plastikschnipsel vom Boden. Es sind fast keine mehr übrig. Als die erste Klasse zur Frühstückspause ins Schulgebäude geht, sieht der Schulhof schon „picobello“ aus.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 30.03.2019 berichtet.

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