Sterben im Hospiz (Foto: dpa)

Sterbebegleitung: "Augen, Ohren und Herz offenhalten"

Axel Burmeister   14.07.2019 | 11:46 Uhr

Wer sich entschließt, Sterbende in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten, bekommt einen anderen Blick auf das Leben. So zumindest empfindet es Elisabeth Vogelgesang, die sich seit zehn Jahren als Hospizbegleiterin engagiert.

„Es ist mir eine Freude, ja eine Ehre, Menschen in dieser Lebensphase begleiten zu dürfen“ sagt Elisabeth Vogelgesang, die ehrenamtlich Hospizarbeit leistet. Die studierte Betriebswirtin hatte vor rund zehn Jahren beim Ambulanten Dienst von Caritas und Diakonie in Homburg ihr Zertifikat als Hospizbegleiterin absolviert. Heute ist sie eine von rund 50 ehrenamtlichen Helfern, die im Saarpfalz-Kreis in der Sterbebegleitung tätig sind.

Anlass, diese Arbeit zu leisten, war für Vogelgesang der Tod eines Freundes: „Damals spürte ich, wie gut es tut, einfach für jemanden da zu sein und ihn zu unterstützen“. Jetzt besucht sie etwa einmal pro Woche Familien, Altenheime oder Hospize, wo eine Sterbebegleitung für einen Angehörigen gewünscht wird. Vogelgesang findet die Arbeit nicht belastend: „Man nimmt immer etwas mit“, sagt sie.

Zuhören ist wichtig

Bei der Fortbildung zur Hospizbegleiterin geht es nicht nur um Gesprächsführung, sondern auch darum, Sterbenden Wohltuendes zu geben. Dazu gehört zum Beispiel vorlesen, singen, beten – aber auch ihn im Bett umzudrehen oder die Lippen zu befeuchten. „Wichtig ist es aber auch zu lernen, Stille auszuhalten und zuzuhören“. Und noch einen Effekt hat die Arbeit mit Sterbenden, sagt Vogelgesang: „Man bekommt einen anderen Blick auf das Leben und lebt vielmehr den Augenblick." Beendet ist eine Sterbebegleitung für sie mit der Beerdigung. „Trauerarbeit gehört nicht zu unseren Aufgaben", erklärt Vogelgesang. Als Unterstützung für ihre wichtige Arbeit gibt es für Hospizhelfer Gesprächskreise, Yoga-Kurse oder "Oasen-Tage".

Im Caritas-Zentrum Saarpfalz in St. Ingbert haben jetzt 13 neue ehrenamtliche Hospizhelferinnen und ein neuer Hospizhelfer ihre Zertifikate erhalten. Neben rechtlichen Aspekten wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung ging es in der Fortbildung um das Kennenlernen von Krankheitsbildern und der Schmerztherapie in der Palliativmedizin. Themen waren auch Bestattung und Trauerbegleitung.

Die wichtigsten Voraussetzungen, die ein Hospizbegleiter mitbringen sollte, sind nach Ansicht von Vogelgesang, Augen, Ohren und Herz offenzuhalten.    

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