Detlef Thieser führt durch die Völklinger Hütte (Foto: Lisa Betzholz)

Der Hüter des Völklinger Paradies-Gartens

Lisa Betzholz   23.07.2017 | 10:35 Uhr

Besucherbegleiter, die Führungen anbieten, gibt es bei der Völklinger Hütte schon länger. Wer allerdings eine Führung bei Detlef Thieser bucht, bekommt etwas ganz Besonderes geboten. Thieser hat nämlich selbst über 50 Jahre auf der Völklinger Hütte gearbeitet – und geht noch immer zu Werke.

Detlef Thieser kennt die Völklinger Hütte wie seine Westentasche. Er ist Jahrgang 1936 und gelernter Schlosser.  Eigentlich wollte Thieser immer Gärtner werden, aber seine Eltern waren dagegen. So landete er auf der Völklinger Hütte. Seit über 60 Jahren läuft er hier übers Gelände, erst als Lehrling, dann als Angestellter und heute als Besucherbegleiter. Er führt Besuchergruppen durch das verwinkelte Hüttenwerk und erzählt von seinem damaligen Arbeitsalltag.

Anstrengend, schmutzig, gefährlich

An jeder dritten Ecke, die für das ungeübte Auge unscheinbar scheint, bleibt Thieser stehen und erzählt, was er dort damals erlebt hat. Schnell wird klar, dass das Leben auf der Hütte nicht nur anstrengend und schmutzig war, sondern auch sehr gefährlich.

In den 1950er und 1960er Jahren gab es noch viele Unfälle auf der Hütte. „Wir hatten bis zu 140 Unfälle – und das im Monat“, erzählt Thieser. Bei einem dieser Unfälle musste er mitansehen, wie zwei seiner Arbeitskollegen von 140 Tonnen flüssigem Stahl übergossen wurden. Eine Stahlpfanne hatte beim Abgießen des Stahls auf einem Trichter aufgesetzt. Dadurch geriet die flüssige Masse in Bewegung und schwappte aus dem Behälter über die Männer. „Ich hab nur überlebt, weil ich von dem metallischen Geräusch so geschockt war, dass ich mich nicht vom Fleck rühren konnte“, erinnert sich Thieser.  

Detlef Thieser bei seiner Führung durch die Völklinger Hütte

Er macht eine Pause. Dann blickt er auf und lächelt. „Und trotzdem komme ich gerne hier her. Vor allem jetzt in meiner Freizeit."  Seit 1989 ist er im Ruhestand. Das war aber noch kein Grund der Hütte den Rücken zu kehren. Mit der Initiative Völklinger Hütte setzte er sich mit anderen Ehrenamtlichen dafür ein, den Abriss der Hochofengruppe zu verhindern. Seit 1995 ist er als Besucherbegleiter tätig.  

Am Ende doch noch Gärtner geworden

Seine Liebe gilt aber vor allem den Pflanzen auf dem Hüttengelände, um die er sich ehrenamtlich kümmert: Angefangen hat Thiesers Engagement mit einem Absinkbecken, das saniert wurde. „Als da dann wieder Wasser eingelassen wurde, kamen auch bald die Enten. Die hatten unter ihren Füßen scheinbar Fischlaich, denn kurze Zeit später war alles voll mit Fischen. Und um die hab' ich mich dann gekümmert“, erzählt Thieser.

Danach fing er an Seerosen zu pflanzen und Flieder um die Becken zu säen. Thieser kümmert sich aber nicht nur um die Pflanzen, sondern auch im die Tiere. Er füttert Fische, baut Vogelhäuser und sogar ein Fuchs zählt zu seinen Schützlingen.  „Hätte man mir vor 50 Jahren gesagt, dass ich mich hier mal um die Pflanzen und Tiere kümmern darf, hätte ich gesagt, der ist bekloppt. Das war unvorstellbar“, sagte Thieser lachend. Die Arbeit entspannt ihn. So kann Detlef Thieser doch noch seinem Traumberuf nachgehen und das an einem Ort, an dem man einen Gärtner erstmal nicht erwarten würde.

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