Ein Falke sitzt auf einem Handschuh und trägt eine Haube auf dem Kopf (Foto: imago images/agefotostock)

Leben mit Greifvögeln

  11.10.2020 | 13:59 Uhr

Die Falknerei ist eine uralte Kunst. Falkner gibt es schon seit 3000 Jahren. Hannah Pütz ist eine von ihnen. Die 28-Jährige züchtet am Linslerhof in Überherrn Greifvögel und richtet sie für die Beizjagd ab. Zu Ihren Aufgaben zählen neben der Jagd auch die Pflege, Fütterung und Ausbildung der Tiere.

Hannah Pütz stammt ursprünglich aus Düsseldorf. Vor acht Jahren verschlug es sie ins Saarland. In der Falknerei der Jagdschule am historischen Gutshof in Überherrn machte sie ihren Jagdschein und bekam schließlich das Angebot, dort als Jägerin, Falknerin und Dozentin zu arbeiten -  eine einmalige Chance. Denn so viele Stellen für hauptberufliche Falkner gibt es nicht in Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt war Pütz bundesweit die jüngste Falknerin. Ihr Faible für die Vögel entdeckte sie schon sehr früh:

„Die Tiere haben immer so eine Ruhe, stehen ganz stolz da, sind nie arrogant, das hat mir schon als Kind so gut gefallen. Mit fünf Jahren durfte ich einen Uhu streicheln und da war es um mich geschehen, ich wollte Jägerin und Falknerin werden“.
Falknerei in Überherrn
Video [SR.de, (c) SR, 09.10.2020, Länge: 01:47 Min.]
Falknerei in Überherrn

Greifvögel benötigen tägliches Training

Vor dem täglichen Training kommen die Vögel auf die Waage. Dabei notiert Pütz akribisch jedes Gramm. Das Gewicht zeigt der Falknerin nämlich, wie es um die Kondition ihrer gefiederten Schützlinge steht. Darum achtet sie auch genau auf die Ernährung der Tiere. Bewegung ist für die Vögel wichtig, denn ohne Bewegung werden die Muskeln abgebaut. Wanderfalke Arthus trägt eine Falkenhaube auf dem Kopf, die das Tier beruhigt. Mit einer Beuteattrappe, Federspiel genannt, trainiert Pütz den Falken. Sie betont: „Der wird trainiert wie ein Hochleistungssportler“.

Ein Wanderfalke schlägt ausschließlich Flugwild in der Luft. Er ist das schnellste Tier der Welt und erreicht im Sturzflug Geschwindigkeiten über 300 km/h. Seine Jagdweise ist der Spähflug. Zu den Beutetieren von Greifvögeln zählen Tauben, Rebhühner, Enten und Hasen. Schon Kaiser Barbarossa soll übrigens am Linslerhof in Überherrn gejagt haben. Greifvögel werden heutzutage überall dort zur Jagd eingesetzt, wo keine Schusswaffen erlaubt sind, also etwa auf Flughäfen, Friedhöfen oder in Parkanlagen. Flughäfen müssen aus Sicherheitsgründen frei von Vögeln sein.

 Artenschutz Hauptaufgabe der Falknerei

Jeder Vogel von Hannah Pütz hat seinen eigenen Charakter. Uhu „Herr Klein“ hat bei Regenwetter oft keine Lust auf Fliegen und nasse Federn. Pütz schmunzelt: „Es sind Schönwetterjäger, die gucken schon, dass das Gefieder nicht zu nass wird, weil das mehr Energie kostet beim Fliegen“.

Ein Falkner braucht sehr viel Geduld. „Man kann dem Vogel nicht sagen, komm jetzt hierher wie bei einem Hund“. Kommandos zu geben, ist daher schwierig. Die Tiere verstehen aber die Laute der Falknerin. „Das Wort Feierabend kennen sie ganz genau“, lacht die Falknerin. Dann wissen sie, es geht gleich zurück ins Gehege.  

Immaterielles Weltkulturerbe

Insgesamt 16 Tiere hegt und pflegt Pütz. Die Kinderstube ist derzeit besetzt. Die sibirischen Uhus Jakob und Johanna sind gerade vier Monate alt. Pütz betont, dass der Artenschutz eine der Hauptaufgaben der Falknerei ist. Viele Greifvögel sind in ihrer Existenz bedroht. Die Zucht dient daher dem Erhalt der einzigartigen Tiere. Viele Menschen wissen zudem kaum etwas über Greifvögel. Darum vermittelt die Falknerin gerne Kindern Wissenswertes über die Tiere. „Man sieht fast nur noch die Kids mit dem Handy rumlaufen. Wenn sie dann wenigstens mal nachschauen, was ist das denn für ein Vogel, das ist völlig in Ordnung“.

Aber auch erwachsene Besucher können gegen Bezahlung Falkner für einen Tag sein. Bei den beliebten Hochzeiten auf dem historischen Gutshof dient die Falknerei auch schon mal als Fotokulisse. Da kann sogar auch mal eine Eule als besondere Attraktion die Trauringe dem Hochzeitspaar einfliegen.

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