Cannabispflanze (Foto: dpa)

Hohe Nachfrage nach Cannabis-Therapie

Axel Burmeister/Kai Forst   18.05.2018 | 06:33 Uhr

Ein neues Gesetz hatte im Frühjahr 2017 die Abgabe von medizinischem Cannabis an Kranke erleichtert. Seitdem ist die Nachfrage nach einer Behandlung im Saarland stark gestiegen. Dabei hätten Patienten oft falsche Vorstellungen vom Einsatz der Therapie, wie der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Gunter Hauptmann, dem SR sagte.

Derzeit, so schätzt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Gunter Hauptmann, würden im Saarland etwa 500 Patienten mit der Cannabis-Therapie behandelt. Das bestätigen in etwa auch Zahlen der Krankenkassen. Dass es im Saarland im Bundesvergleich viele Cannabis-Verordnungen gibt, hatte am Donnerstag der Cannabis-Report der Techniker Krankenkasse (TK) belegt.

TK und Barmer: Saarland bundesweit Spitze

Demnach gab es im Saarland seit März 2017, als Cannabis auf Rezept eingeführt wurde, 209 Verordnungen pro 100.000 Versicherte. Das ist der Spitzenplatz unter den Bundesländern. Noch höher liegen die Zahlen bei der Barmer. Nach Angaben der Versicherung ergeben sich für das Saarland 224 abgerechnete Verordnungen je 100.000 Versicherte seit Einführung des Cannabis-Gesetzes. Wie bei der TK nimmt auch bei der Barmer das Saarland den Spitzenplatz unter den Bundesländern ein.

Report: Ein Jahr Cannabis auf Rezept
Audio [SR 1, Julia Lehmann, 17.05.2018, Länge: 02:51 Min.]
Report: Ein Jahr Cannabis auf Rezept

Dennoch, so Hauptmann, hätten Patienten häufig falsche Vorstellungen über die Therapie. So hätten viele Tumor-Patienten aus der Presse den Eindruck gewonnen, dass das Cannabis wie eine Chemo-Therapie wirkt. „Das Cannabis ist ein gutes Medikament im Bereich der Schmerztherapie und auch für Palliativpatienten“, so Hauptmann. Sie ersetze aber nicht die Chemo-Therapie, sondern könne als Ergänzung wirken. Bei schwerstkranken Patienten helfe sie gut, Beschwerden wie Übelkeit zu lindern.

Erfolgreicher Einsatz im Palliativ-Bereich

Bei der Verbreitung dieser Therapie spielt nach Ansicht von Hauptmann im Saarland ein spezieller Faktor eine Rolle. „In einer relativ kleinen Region spricht sich so etwas schneller herum, wenn es dort einen Protagonisten gibt, der besonders innovativ ist und zügig in die Verbreitung damit will.“ Zudem gehe die saarländische Ärzteschaft „sehr gerne auf solche Innovationen los“. Nach einem Jahr "Cannabis als Medizin" zieht Hauptmann eine positive Bilanz: „Das Konzept ist erfolgreich“, sagt der Mediziner. Dies gelte in jedem Fall was die Palliativmedizin und Schmerztherapie angehe.

Gottschling: Noch immer zu wenig Cannabis-Verordnungen

Kritik kommt vom Leiter des Zentrums für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie an der Uni-Klinik Hombutg, Professor Sven Gottschling. Für ihn werde Cannabis noch viel zu selten eingesetzt. Das hänge einerseits mit den hohen Hürden bei der Verordnung zusammen. "Der andere Grund ist, dass viele Ärzte sich einfach nicht hinreichend damit auskennen und sind sich einfach unsicher. Der Wissensstand ist noch sehr überschaubar." Daher brauche es viel mehr Aufklärung. Dabei seien die Ärzte sehr interessiert an der Thematik. "Ich bin da sehr aktiv unterwegs. Und egal, wo wir Veranstaltungen anbieten, werden wir überrant. Das heißt, die Ärzte sind sehr interessiert", sagte Gottschling.

Es gehe jetzt darum, weitere Erfahrungen zu sammeln, um herauszufinden, ob diese Therapie auch in anderen Situationen eingesetzt werden könnte.

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