Ein Mann hält eine Schleife in der Hand. (Foto: picture alliance / Arne Dedert/dpa)

Weniger HIV-Neuinfektionen im Saarland

Axel Wagner   01.12.2018 | 08:32 Uhr

Vor 30 Jahren startete die Weltgesundheitsorganisation WHO den ersten Welt-Aids-Tag. Rund 86.100 Menschen leben heute mit HIV in Deutschland, im Saarland sind es nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 850. Allerdings ist die Zahl der Neuinfektionen rückläufig, auch im Saarland.

Wie die Lage 1988, zum ersten Welt-Aids-Tag, im Saarland war, kann Frank Kreutzer, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Saar, nicht genau sagen. Zahlen dazu gebe es keine. „Die Leute hatten acht, zehn, zwölf Jahre, dann sind sie gestorben.“ Das hat sich radikal geändert, vor allem seit der Einführung neuer Medikamente zwischen 1995 und 1996. Damals sei die Sterberate innerhalb eines Jahres um 70 bis 75 Prozent zurückgegangen. Seither ist die Zahl der Menschen, die mit HIV leben, weltweit stetig gestiegen, bei gleichzeitig rückläufiger Sterberate.

Der Grund: Bei rechtzeitiger Diagnose und wirksamer Therapie können auch Menschen mit einer HIV-Infektion ganz normal leben und alt werden, und das auch ohne den HI-Virus auf andere zu übertragen – auch beim Sex. Das hat 2008 auch die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit (EKAF) in einem Statement bestätigt.

Rechtzeitiger HIV-Test ist wichtig

Wichtig ist dafür aber, möglichst frühzeitig einen HIV-Test machen zu lassen. Denn Aids ist nach heutigem Stand zwar nach wie vor nicht heilbar, kann aber gut behandelt werden. Betroffene schlucken in der Regel eine Tablette am Tag, eine Kombination aus drei Wirkstoffen, die den Vermehrungszyklus des Virus und damit die Ausbreitung im Körper unterbrechen. Die Kosten für diese Therapie liegen bei knapp 2000 Euro im Monat, werden aber von den Krankenkassen übernommen.

In den vergangenen Jahren haben sich nach Auskunft der Aids-Hilfe Saar durchschnittlich 30 Menschen pro Jahr neu infiziert. 2017 sank diese Zahl auf 25, analog zum weltweiten Trend. Insbesondere bei der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, sind die Zahlen rückläufig. Die Aids-Hilfe Saar führt das auf den Ausbau zielgruppenspezifischer Angebote und die hohe Testbereitschaft zurück. „Die aktuellen Schätzungen bestärken uns darin, unser hohes Engagement in diesem Arbeitsbereich unvermindert fortzusetzen“, betonte Kreutzer.

Safer Sex 3.0

Nach Einschätzung der Aids-Hilfe gibt es immer noch eine hohe Anzahl an nicht diagnostizierten HIV-Infektionen, und viele erhalten ihre HIV-Diagnose erst, wenn das Immunsystem schon stark geschädigt ist. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass von den 850 Infizierten im Saarland 110 nichts von ihrer Infektion wissen. Bundesweit sollen es bei rund 86.100 HIV-Positiven etwa 11.400 sein. Die Gründe dafür können nach Einschätzung Kreutzers vielfältig sein. Aids macht sich im Anfangsstadium kaum bemerkbar, die Symptome sind unspezifisch. Außerdem haben viele immer noch Angst vor Diskriminierung, weil sich um die Erkrankung immer noch viele Mythen und Vorurteile ranken.

Die Aids-Hilfe Saar bietet auf ihrer Internetseite ausführliche Informationen zum HIV-Test und den Testmöglichkeiten im Saarland an. Daneben wirbt sie auch für den „Safer Sex 3.0“: Neben dem Kondom bietet auch die Therapie Schutz gegen HIV-Infektionen. Außerdem können Menschen mit hohem HIV-Risiko eine sogenannte Präexpositionsprophylaxe machen. Das heißt: Sie nehmen prophylaktisch ein spezielles Medikament mit zwei Wirkstoffen ein. Die Kosten Prophylaxe, etwa 40 Euro pro Monat, sollen ab kommendem Jahr von den Krankenkassen übernommen werden.

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