Ein Mitarbeiter erfasst seine Arbeitszeit digital an einem Terminal.  (Foto: picture alliance/Sina Schuldt/dpa)

Arbeitskammer fordert genaue Arbeitszeiterfassung

  28.01.2020 | 06:51 Uhr

Der Vorstandsvorsitzende der Arbeitskammer des Saarlandes, Jörg Caspar, fordert, dass alle Arbeitszeiten systematisch erfasst werden müssen. Dazu müsste das Arbeitszeitrecht angepasst werden. Derzeit gebe es viele unbezahlte Überstunden.

Im Frühjahr 2019 hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass die Arbeitszeiten von Arbeitnehmern vollständig erfasst werden müssen. Bisher ist das in Deutschland nur für Überstunden und für Arbeit an Sonn- und Feiertagen verpflichtend. „Dabei wissen wir von einer hohen Zahl von Überstunden, die unbezahlt geleistet und nicht einmal erfasst werden“, sagt Arbeitskammer-Vorstandschef Jörg Caspar.

Das zeige eine Befragung der Arbeitskammer: Darin gaben 14 Prozent der Befragten im Saarland an, im letzten Jahr oft oder sehr häufig außerhalb der normalen Arbeitszeit unbezahlt für ihren Betrieb gearbeitet zu haben. Bundesweit liegt der Wert auf ähnlichem Niveau bei 14,4 Prozent.

Deutsches Arbeitszeitrecht ungenügend

Laut einem Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums ist das deutsche Arbeitszeitrecht in seiner jetzigen Fassung ungenügend. Um die tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten zu dokumentieren, schlägt das Gutachten eine Erfassung durch Computerprogramme oder beispielsweise über elektronische Zutrittsausweise vor. Auch Aufzeichnungen in Papierform seien denkbar.

Eine solche systematische Arbeitszeiterfassung fordert Caspar in allen Branchen: „Sie sorgt für mehr Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und sichert deren Recht auf die Einhaltung der täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten“, sagte Caspar. Deshalb müsse diese Erfassung im deutschen Arbeitsrecht verpflichtend sein.

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