Der Hauptangeklagte kommt in den Verhandlungssaal des Landgerichts Kaiserslautern.  (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Hinterbliebene im Kusel-Prozess fordern Schmerzensgeld

  23.09.2022 | 13:40 Uhr

Der Prozess um die beiden getöteten Polizisten bei Kusel ist am Freitag vor dem Landgericht Kaiserslautern fortgesetzt worden. Am 16. Prozesstag haben die Hinterbliebenen der getöteten 24-jährigen Polizistin Schmerzensgeld und Schadensersatz vom Hauptangeklagten gefordert. Dadurch könnte sich das Verfahren deutlich verzögern.

Im Prozess um den mutmaßlichen Polizistenmord bei Kusel fordert die Familie der aus dem Saarland stammenden getöteten Polizeianwärterin rund 50.000 Euro Schmerzensgeld vom Hauptangeklagten Andreas S. Die Angehörigen stellten am Freitag vor dem Landgericht Kaiserslautern einen Antrag darauf. Sie treten in dem Prozess als Nebenkläger auf.

Die Eltern und die beiden Schwestern der Polizistin seien seit der Tat erheblich belastet und in therapeutischer Behandlung, sagte ein Vertreter der Nebenklage. Es sei unklar, ob sie je wieder arbeitsfähig sein werden. Sie fordern auch Schadensersatz vom Hauptangeklagten.

Prozess könnte sich erheblich verzögern

Der Verteidiger des Hauptangeklagten kritisierte den Antrag der Nebenklage. Er sagte, er sei "zutiefst erschüttert". Dann müsse die gesamte Familie vor Gericht aussagen und ihr seelisches Leid offenlegen, was ja eigentlich vermieden werden sollte. Der Antrag führe in dieser Form auch zur Verlängerung des Verfahrens bis mindestens Frühjahr nächsten Jahres.

Der Vorsitzende Richter betonte, der Antrag sei "das gute Recht" der Nebenklage. Aber auch er sehe das Problem, dass das Verfahren sich erheblich verzögern könnte, wenn der Antrag in dieser Form bleibe. Abgesehen davon vereinbarte das Gericht am Freitag auch so schon Termine bis Jahresende.

Zeugenanhörung verschoben

Unterdessen wurde die geplante Anhörung von Zeugen erneut verschoben. Grund war wie schon am Montag die Corona-Erkrankung eines Sachverständigen. Vernommen werden sollten Experten etwa zu möglichen DNA- oder Schmauchspuren an der Kleidung des Hauptangeklagten. So sollte es um einen Mantel gehen, den Andreas S. in der Tatnacht möglicherweise getragen haben könnte. Das hatte der Mitangeklagte Florian V. in Vernehmungen mehrfach betont. Andreas S. streitet allerdings ab, den Mantel getragen zu haben.

Bislang beschuldigen sich die beiden Angeklagten gegenseitig, das Feuer auf die Polizistin eröffnet zu haben. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hat der Hauptangeklagte Andreas S. beide Polizisten erschossen. Bereits am sechsten Prozesstag hatten sich vor Gericht Gutachter zu den verwendeten Waffen und gefundener DNA geäußert.

Was den Angeklagten vorgeworfen wird

Bei einer Fahrzeugkontrolle nahe Kusel waren am 31. Januar ein 29-jähriger Polizeikomissar und eine 24-jährige Polizeianwärterin erschossen worden. Anschließend waren die beiden Tatverdächtigen Andreas S. und Florian V. im Saarland festgenommen worden. Die Anklage geht davon aus, dass sie Jagdwilderei vertuschen wollten.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja