Ankündigung der DGG-Aktion am 1. Mai 2020 auf einem Laptop (Foto: SR)

Erstmals Mai-Kundgebung nur im Internet

mit Informationen von Karin Mayer   01.05.2020 | 21:15 Uhr

Die Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat wegen des Coronavirus zum ersten Mal online stattgefunden. Die Bilanz von Gewerkschaftsvertretern lautet: gelungen, aber kein Ersatz für die traditionelle Mai-Kundgebung in Saarbrücken.

Für Eugen Roth, den stellvertretenden DGB Vorsitzenden Rheinland-Pfalz-Saarland, ist die dreistündige Online-Kundgebung nur die zweitbeste Lösung. Im kommenden Jahr müsse der Gewerkschaftstag wieder auf der Straße stattfinden. Die Gewerkschaften würden heute mehr gebraucht denn je.

Video [aktueller bericht am Tag der Arbeit, 01.05.2020, Länge: 2:22 Min.]
Online-Kundgebung des DGB am Tag der Arbeit

133.000 Saarländer in Kurzarbeit

Dem SR sagte Roth, die aktuelle Krise könne nur gemeinsam bewältigt werden. Neben Rettungsschirmen für Unternehmen müsse deshalb auch das Kurzarbeitergeld sofort erhöht werden. Beschäftigte in der Gastronomie könnten mit 60 Prozent des Einkommens nicht überleben. Im Saarland seien derzeit 133.000 Menschen von Kurzarbeit betroffen.

Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Forderungen zumindest per Schiff auf die Saar geschickt. Auf einem großen Transparent verlangte sie, dass das Kurzarbeitergeld aufgestockt wird. Thomas Müller von Verdi Saar-Trier sagte dem SR, es reiche nicht für Pflegekräfte und Verkäuferinnen zu klatschen, sie müssten auch ordentlich bezahlt werden. 

Für und mit Menschen

Für Jörg Caspar von der IG Metall Neunkirchen ist ein 1. Mai ohne Begegnungen nur ein Kompromiss in Zeiten von Corona. Gewerkschaftsarbeit lebe von und mit Menschen, deshalb sei die Maikundgebung auf der Straße nicht so leicht zu ersetzen. 

DGB Regionsgeschäftsführerin Bettina Altesleben betonte, systemrelevante Berufe wie Alten- und Krankenpflegerinnen müssten auch nach der Krise ernst genommen werden. Deshalb würden die Gewerkschaften sich für dauerhaft bessere Bezahlung einsetzen.

Rehlinger für anständige Tarifverträge

Auch Saar-SPD-Chefin Anke Rehlinger hat zum Tag der Arbeit "anständige Tarifverträge" gefordert. Rehlinger sagte, dies gelte vor allem für die "Helden des Alltags".

Außerdem sagte die SPD-Politikerin, dass auch nach der Krise ein starker Staat nötig sei. Dann gehe es darum, die Wirtschaft wieder anzufahren und für Wachstum zu sorgen. Der 1. Mai sei in diesem Jahr kein Tag der großen Demonstrationen, aber von großer Solidarität, so Rehlinger.

Der CDA-Landesvorsitzende Marc Speicher forderte am 1. Mai: "Gerade diejenigen, die in der Corona-Krise den Karren ziehen und für den Zusammenhalt in unserem Land sorgen, die müssen das auch entlohnt bekommen. Nicht mit einmaligen Sonderzahlungen, sondern mit dauerhaft gerechten Löhnen."

 Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 01.05.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja