Wahlplakate, Landtagswahl 2017 (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Den nächsten Kraftakt vor Augen

Caroline Uhl  

Drei Jahre war sie Vize-Regierungschefin, nun will Anke Rehlinger in die Staatskanzlei einziehen. Die 40-Jährige hat es sich zum Ziel gesetzt, erste saarländische Ministerpräsidentin der SPD zu werden. Es wäre der Höhepunkt in ihrer Politikerinnen-Karriere.

In den Geschichtsbüchern des saarländischen Sports steht sie schon drin: Am 18. August 1996 wuchtet die 20-jährige Kugelstoßerin Anke Moos ihre Kugel auf 16,03 Meter. Landesrekord. Sie ist die erste Saarländerin in dieser Disziplin, die die 16-Meter-Marke knackt.

Der Rekord hat bis heute Bestand. Leistungen, die landesweit Beachtung finden, will sie nun auf anderem Terrain bringen. Anke – heute mit Nachnamen Rehlinger – will erste sozialdemokratische Ministerpräsidentin des Saarlandes werden. Für die Landtagswahl am 26. März tritt sie als SPD-Spitzendkandidatin an.

Anders als im Sport wartet die forsch auftretende Mutter von einem Sohn in der Politik noch auf den Platz an der Spitze. Im Landtag schafft sie es 2011 auf den Stellvertreter-Posten von Fraktionschef Heiko Maas. In der SPD ist sie bis heute – obwohl Spitzenkandidatin für die Wahl – stellvertretende Parteichefin, noch immer hinter Maas. Und Vize-Regierungschefin hinter Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ist sie ja auch noch. Hinter Kramp-Karrenbauer liegt sie auch in den Umfragen beim Beliebtheitswert, und das sogar deutlich.

Acht Jahre in der Opposition

Im Jahr 1998 tritt die gebürtige Nunkircherin in die SPD ein. Es folgen erste Partei-Ämter auf kommunaler Ebene. 2004 zieht Rehlinger in den Landtag ein. Acht Jahre lang klopft sie von der Oppositionsbank aus der CDU auf die Finger: Rehlinger übernimmt den Vorsitz im Untersuchungsausschuss "Grube Reden", in dem es um eine großzügige Subventionierung des Gondwana-Parks geht. 2010 ist sie eine der treibenden Kräfte bei der SPD-Klage gegen eine Anzeigenkampagne der Landesregierung. Es geht um illegale Parteiwerbung auf Kosten des Steuerzahlers.

In der Großen Koalition 2012 bekommt Rehlinger erstmals Regierungsverantwortung. Die Juristin wird erst Justizministerin, später erbt sie von Maas das Mega-Ressort für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr. Sie ist viel mit Krisenmanagement beschäftigt: Die Stahlbranche ächzt unter der Billig-Konkurrenz aus China, der saarländische Arbeitsmarkt kommt nur langsam in Schwung. Und dann ist da noch der Straßenbau...

Die Warnbarke in der Hand

An Gründonnerstag 2016 wird die A6 in Höhe der Fechinger Talbrücke voll gesperrt. Grund: Baumängel, Sicherheitsrisiken. Der Aufschrei ist groß – und ebenso die Erlösung, als sieben Monate später der Verkehr wieder über eine provisorisch hergerichtete Brücke fließt. Die Verkehrsministerin lässt sich dafür feiern, in ihrer eigenen, eher rustikalen Art: Für die Kameras räumt sie Warnbarken von der Fahrbahn. Rehlinger verspricht Investitionen in die Infrastruktur, stellt dafür die Schuldenbremse infrage. An Fastnacht tritt sie in diesem Jahr in Blaumann und Schutzhelm als "Brückenbauerin" auf.

Vom Koalitionspartner CDU mit Spitzenkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer unterscheidet sich Rehlingers SPD im Landtagswahlkampf vor allem beim Thema Bildung: Rehlinger wirbt damit, mittelfristig die Kita-Gebühren abzuschaffen. Die Union lehnt das aus Kostengründen ab. Nach dem Willen der Saar-SPD soll G9 auch an Gymnasien wieder möglich sein. Die CDU spricht sich gegen "neue Strukturdiskussionen" aus. Und während Kramp-Karrenbauer klar für eine Fortführung der Großen Koalition wirbt, legt sicht Rehlinger in Sachen Koalitionspartner vorab nicht fest.

Und der Sport? Den betreibt Anke Rehlinger noch ein bisschen nebenher. 2016 gewinnt sie die Saarlandmeisterschaft der Senioren in Diskus und Kugelstoßen. Der nächste große Kraftakt soll bei der Landtagswahl folgen.

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