Rolf Müller, AfD (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Er will mit der AfD in den Landtag

Caroline Uhl  

In einem Alter, in dem andere eine Parlamentarier-Karriere hinter sich haben, fängt Rolf Müller erst an. Mit 66 Jahren will der AfD-Spitzenkandidat erstmals in den Landtag einziehen. Nach politischen Themen gefragt, fallen ihm aber vor allem Europa- und Bundesthemen ein.

Für einen Politiker ist Rolf Müller erst spät ins Geschäft eingestiegen. Seit Mai 2013 zählt die AfD den heute 66-Jährigen als eines ihrer Mitglieder. Müllers ablehnende Haltung gegenüber der Euro-Rettungspolitik ist es, die ihn in die Partei eintreten lässt, die unter Parteigründer Bernd Lucke für viel Aufmerksamkeit sorgt. Lucke ist mittlerweile selbst aus der AfD ausgetreten.

In der saarländischen AfD ist Müller eines der ersten Mitglieder. Er baut den Kreisverband Saarbrücken Stadt mit auf, seit September 2015 steht er diesem vor. Er ist Mitglied des Landesvorstands, Pressesprecher und im Juli 2016 wählt ihn die AfD auf Platz eins der Landesliste für die Landtagswahl.

Nazi-Orden im Antiquitäten-Laden

Müller und seine Partei sorgen aber vor allem durch Skandale für Aufmerksamkeit: Vergangenes Jahr löst der Bundesvorstand den Landesverband Saar wegen Kontakten zu Rechtsextremen sogar zeitweise auf. Erst das Bundesschiedsgericht stoppte diese Auflösung, zunächst per einstweiliger Verfügung, dann grundsätzlich. In seinem Urteil monierte das Gericht allerdings dennoch diese Kontakte nach rechtsaußen.

Der Saarbrücker sorgt auch selbst für ordentlich Schlagzeilen. Im September wird bekannt, dass er im familieneigenen Antiquitätenladen in Saarbrücken mit Nazi-Orden handelte. AfD-Bundeschef Jörg Meuthen legt ihm daraufhin den Partei-Austritt nahe, AfD-Landeschef Josef Dörr hingegen stützt Müller. Wegen der Nazi-Orden ermittelt zunächst auch die Staatsanwaltschaft, stellt die Ermittlungen Ende Februar aber ein.

Flüchtlinge, Euro, EEG

Der Antiquitätenladen gehört eigentlich seiner Frau. Rolf Müller, der – so steht es im Ausweis – eigentlich Rudolf heißt, ist im arbeitsmäßigen Ruhestand angelangt. Beruflich ist der studierte Gymnasiallehrer für Französisch und Sozialkunde vorher lange Jahre im Bauwesen tätig. Den Lehrerjob hat er nie ausgeübt.

Nach seinen politischen Schwerpunkten gefragt, fallen ihm als erstes Bundes- und Europathemen ein: Euro, Flüchtlingspolitik, Abschaffung der Ökostrom-Umlage EEG. Müller streitet die vom Menschen gemachte Erderwärmung ab. "Wir wollen den links-grünen Zeitgeist bekämpfen", sagt er und meint die Energiewende. Auf Landesebene geht es ihm um eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, in der Bildung will er die "Nivellierung nach unten" stoppen. Seine Partei hat gute Chancen, erstmals in den Landtag einzuziehen, im aktuellen Saarlandtrend vom Januar steht die AfD bei neun Prozent.

Artikel mit anderen teilen