Wahlplakate, Landtagswahl 2017 (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Die linke Galionsfigur

Caroline Uhl  

Bekannt wie Oskar – dieser Satz hat im Saarland eine ganz besondere Bedeutung. Denn "de Oskar", Oskar Lafontaine, kennt im Saarland so ziemlich jeder. Mit 73 Jahren will es der Fraktionschef der Saar-Linken noch einmal wissen. Er ist das Gesicht seiner Partei im Wahlkampf für die bevorstehende Landtagswahl.

Oskar Lafontaine ist die Galionsfigur der saarländischen Linken. Er wirbt selbst mit diesem Image: "Ein Oskar für das Saarland" steht auf einigen Wahlplakaten – ein Wortspiel, in dem sich durchaus Lafontaines stolzes Selbstbild widerspiegeln dürfte.

Großer Name – großer Einfluss

Video
Linken-Spitzenkandidat Lafontaine im Live-Interview
Der Linken-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Lafontaine, hat sich im Live-Interview den Fragen von Reporter und Zuschauern gestellt.

An dem 73-Jährigen führt in der saarländischen Linkspartei kaum ein Weg vorbei. Bei der Listenaufstellung für die Landtagswahl am 26. März macht Lafontaine seine eigene Kandidatur von einem Spitzenplatz für seinen Vertrauten Jochen Flackus abhängig. Die Partei folgt: Flackus steht nun hinter Lafontaine auf Platz zwei der Landesliste.

Auch bei der Listenaufstellung zur Bundestagswahl 2013 will "Lafo" die Marschroute vorgeben und Claudia Kohde-Kilsch auf Platz eins der Landesliste sehen. Doch da verweigern die Delegierten die Gefolgschaft. Lafontaine lässt die Partei sein Missfallen spüren: Er macht sich rar im Wahlkampf an der Saar, rührt lieber in Nordrhein-Westfalen die Wahltrommel für seine spätere Ehefrau Sahra Wagenknecht.

Chef in zwei Parteien

Der Diplom-Physiker ist so beleckt in der großen Politik wie kein anderer Saarländer. Kritiker sehen in dem begnadeten Redner einen linken, machthungrigen Scharfmacher. Zur Fastnacht tritt er jahrelang als Napoleon auf.

Lafontaine ist acht Jahre lang Saarbrücker Oberbürgermeister, dann für 13 Jahre Ministerpräsident. 19 Jahre lang bleibt er Landesvorsitzender der Saar-SPD. 1998 wird er Bundes-Finanzminister im Kabinett Gerhard Schröders, von 1995 an ist er außerdem Vorsitzender der Bundes-SPD. 1999 dann der überraschende Rücktritt von allen Ämtern.

2005 folgt der endgültige Bruch mit den Sozialdemokraten: Austritt aus der SPD und Wechsel zur WASG, die sich später mit der PDS zur Linkspartei zusammenschließt. Lafontaine wird Fraktionschef der Linken im Bundestag, ist außerdem seit 2007 ihr Bundesvorsitzender. 2009 verabschiedet er sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Bundespolitik, kehrt zurück ins Saarland, wird dort Fraktionschef.

Die Parteien hat er gewechselt, die Parlamente auch, die Themen nicht: mehr Steuern für Reiche, Regulierung der (Finanz-)Wirtschaft, keine Auslandseinsätze der Bundeswehr. Lafontaines Botschaften sind klar, so kennen die Linken ihre Galionsfigur.

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